Ein wunderschönes Kinderbuch von Leo Lionni handelt von der Feld­maus Frederick. Als der Herbst anbricht, sammeln die Mäuse Vorräte. Nüsse, Speck, Käse – was man im Winter nicht entbehren möchte. Nur Frederick sitzt auf einem Stein und träumt in den Tag hinein. Die fleißigen Mäuse fragen ihn, was er denn so Wichtiges mache, statt ihnen beim Sammeln der Vorräte zu helfen. Frederick antwortet: „Ich sammle Farben!“ Als der Winter kommt, sind die Vorräte bald verbraucht. „Wisst ihr noch, wie der Sommer schmeckt?“, fragte Frederick über­raschend. Er ruft die Erinnerung wach. Frederick erzählt ihnen von Farben, Gerüchen und der Wärme des Sommers. Er macht das so über­zeugend und bildreich, dass es den Mäusen alsbald vorkommt, als würde der Sommer wieder Einzug halten in ihrem kalten Unterschlupf. Es ist fast, als würde die Erinnerung an den Sommer den Winter ver­treiben. So kommen sie über die letzten schweren Wintertage, in denen sie den Hunger fast vergessen.
Jetzt ist Sommer. Jetzt ist die Zeit, die Stimmung des Sommers bewusst aufzunehmen. Jetzt ist die Zeit für das Sammeln von guten Sommer­erfahrungen. Es kann die Freude an einer Blüte sein. Der Geruch von frischen Blumen. Der warme Sonnenstrahl auf der Haut. Es ist eine gute Zeit auch für uns, Farben und Töne, Gerüchte und Erlebnisse dieses Sommers gleichsam einzulagern wie Proviant für kalte Tage. Wenn die Tage kürzer werden, tut das Erinnern an Wärme und Schönes gut.
Wenn wir älter werden, dann wird der Erlebnisraum kleiner. Die Be­weglichkeit ist eingeschränkt. Große Sprünge machen wir nicht mehr. Manchmal passiert nicht viel Neues. In dieser Lebensphase ist es gut und richtig, sich zu erinnern: an schöne Erlebnisse der Jugendzeit, an Menschen auf unserem Lebensweg, an hilfreiche Menschen und bewegende Minuten. Im Alter erinnert man sich oft sehr genau an Ereignisse, die lange vorbei sind, weniger an die letzte Woche. Das ist normal und richtig, denn wir leben im Alter auch aus der Erinnerung, die uns heute hilfreich zur Verfügung stehen.
Machen wir es wie Frederick. Erfreuen wir uns an unseren Erinnerungen!

(Gerne kann diese Andacht bei gutem Wetter auch im Garten von Senioreneinrichtungen oder der Eingliederungshilfe durchgeführt werden.)

 

Wir beten:              Danke, Gott, dass ich leben darf.
Ich kann vieles nicht mehr.
Manches habe ich vergessen.
Trotzdem bist du da.
Ich bin hier im Haus gut aufgehoben.
Hier wird bestens für mich gesorgt.
Stimme mich milde gegenüber den mitfühlenden Mitarbeitern.
Gib mir Liebe für die anderen Mitbewohner.
Du hast mich auch in meinem Alter an deine große und schützende Hand genommen.
Danke, dass du auch hier bei mir bist – an jedem Tag.
Amen.

 

Wochenspruch:   So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Haus­genossen.      Epheserbrief 2,19

Wochenpsalm:     Psalm 107, 1-9

Wochenlied:          EG 320  –  Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen

Download:              ANgeDACHT 2023-30

 

Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlich

Diakon Olaf Eggert
Fliedners Lafim-Diakonie