Ich mag diesen Martin Luther. Was von ihm erzählt wird, lässt in mir ein Bild von einem Menschen entstehen, dem Gott wichtig ist, der sich viele, ernste Gedanken um seinen Glauben macht. Aber ich sehe auch einen Menschen, der mit beiden Beinen im Leben steht, genießen kann und nie um einen derben Spruch verlegen ist.
„Wer nicht liebt Wein, Weib, und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“
Perlen vor die Säue werfen  und der Wolf im Schafspelz, das Machtwort und die Feuertaufe – mit diesen und vielen weiteren Redewendungen prägt Martin Luther die deutsche Sprache bis heute.
Er ist kein Held, nicht makellos und kein perfektes Idol. Er ist ein Kind seiner Zeit, mit einer fraglichen Einstellung zum Judentum und zum Feudalsystem.
Deshalb gefällt mir auch der Umgang der evangelischen Kirche mit Martin Luther gut. Wir stellen ihn auf keinen Sockel, maximal hier und da als Denkmal. Das wäre auch nicht im Sinn von Martin Luther.
„Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?“ — Martin Luther auf die Frage, ob man seine Anhänger „lutherisch“ nennen solle.

Wir feiern Reformationstag und nicht Martin Luther Tag. Auch „Tag der Liebe und Freiheit“ wäre ein passender Name, aber das könnte natürlich falsch verstanden werden. Doch genau das ist für mich der wichtigste Punkt bei der Reformation: Gott liebt uns über allen Maßen, bedingungslos und unendlich. Deshalb ist er in seinem Sohn Jesus Christus Mensch geworden, ist für unsere Sünde am Kreuz gestorben und hat uns ein für alle Mal erlöst. Das Einzige, was wir noch tun müssen, ist diese Liebe anzunehmen und unsere Schuld bei Jesus abzugeben. Also sich und Gott die eigene Schuld eingestehen und dankbar annehmen, dass ein anderer, Jesus, dafür bezahlt hat. Damit sind wir schuldenfrei. Das macht uns frei.
Ich brauche mich nicht abstrampeln mit irgendwelchen Ritualen, ich muss mir nicht mit Gut-Taten das Himmelreich erarbeiten. Ich habe freien Eintritt und bekomme ewiges Leben geschenkt.

Allein durch die Gnade, allein durch den Glauben.“
Diese Liebe berührt mich immer wieder, ja manchmal überwältigt sie mich geradezu. Der große, allmächtige Gott, der die Erde und das ganze Universum geschaffen hat, macht sich klein, lässt sich erniedrigen, damit ich ihm ganz nahekommen kann. Ich will diese Liebe aus ganzem Herzen erwidern, mich davon anstecken lassen und sie weitertragen. Und weil Gott mich liebt, versuche ich mein Leben nach seinem Wort auszurichten.
Gute Werke machen einen Menschen nicht gut, aber ein guter Mensch tut gute Werke.“   Das gelingt mir an manchen Stellen gut und an anderen überhaupt nicht. Aber das kann ich ja wieder bei Jesus ablegen und es immer wieder neu versuchen.

Wie sagt Martin Luther:
„Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Und solche Zuversicht macht fröhlich, mutig und voll Lust zu Gott und allen Geschöpfen.“

 

 

Wir beten:               Gott, ich möchte dir vertrauen, dass du das Beste für mich willst. Gerade dann, wenn es mir schwerfällt, dass zu glauben.

Wochenspruch:    Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.   Röm. 12,21

Wochenpsalm :    Psalm 19  –  EG 708

Wochenlied:           EG 377  –  Zieh an die Macht, du Arm des Herrn

Download:           ANgeDACHT 2023-44

 

Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlich

Anette Schmidt
Lafim-Diakonie