Johannes 12,24

Mit einem Satz erklärt Jesus im Wochenspruch, dass sein Leiden und Sterben auf dem Weg in das Leben dazugehören.
Nehmen Sie in den nächsten Tagen einmal ein Weizenkorn in die Hand. Das kleine Weizenkorn ist hart, steinhart sogar. Die Schale schützt und verschließt das Innere des Korns. Wenn es so bleibt, dann geschieht nichts. Das Korn bleibt allein, es wird nicht leben. Das Weizenkorn ist verschlossen, abgeschlossen und man ahnt kaum, was alles in diesem Korn steckt.
Wenn das Korn in die Erde gelegt wird, wenn es Nässe und Dunkelheit erträgt, wenn die Schale gesprengt wird, wenn das Korn scheinbar abstirbt, dann beginnt es zu wachsen, dann keimt es und fängt an zu leben.
Ist es in meinem Leben auch so? Gelingt mein Leben nur, wenn ich ein Stück von mir hergebe, bereit bin, meine vertraute Gestalt verändern zu lassen, wenn ich Vertrautes loslassen, Abschied nehmen kann?
Was ist es bei mir, das sterben muss? Vielleicht mein Stolz, meine Einbildung, ohne mich liefe nichts, ich wäre unersetzlich? Das Vertrauen auf meine eigene Kraft, die Angst vor der Schwäche, vor den leeren Händen?
Ohne Wandlung – kein Leben. Ohne Sterben, Abschiednehmen – kein Wachstum. Ich habe es so erlebt: Durch Krisen in meinem Leben wurden wichtige Verwandlungs- und Veränderungsprozess angestoßen.
Abschiede von Vertrautem waren dazu nötig, auch manche Durststrecke, manche Dunkelheit auszuhalten.
Jesus spricht von sich selbst, wenn er vom Weizenkorn spricht, vom Tod, der ihm bevorsteht – und von dem neuen Leben, zu dem Gott ihn erwecken wird. Denn Gott wird durch ihn zeigen: er schafft Leben, selbst dort, wo es eigentlich gar nicht mehr geht. Denn Gott ist bei uns, selbst dann, wenn alles trostlos erscheint. Er gibt uns die Kraft, Frucht zu bringen, Gutes zu bewirken. Darauf will ich vertrauen. Amen.

 

Wir beten:
Christus, ich danke dir, dass du für uns zum Weizenkorn geworden bist und uns so das Leben ermöglicht hast.
Danke für die Menschen, die so selbstverständlich ein Stück von sich hergeben, damit ich leben kann.
Ich denke an die Kinder, die in schlimmen Verhältnissen aufwachsen müssen. Gib du ihnen, Gott der Liebe, trotzdem die Chance der Entfaltung und des Lebens.
Ich denke an die Menschen, die Vergangenes nicht loslassen können, die unerledigte Dinge mit sich herum schleppen. Hilf Ihnen Altes loszulassen, damit neues Leben wachsen kann.
Gott hilf uns selbst, damit wir dem Weizenkorn gleich werden, das seine Schale öffnet, das voll Vertrauen loslassen kann und so lebendig ist und Frucht bringt.


Wochenspruch:
        Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.     Johannes 12,24

Wochenpsalm:           Psalm 132

Wochenlied:               EG 98  –  Korn, das in die Erde

Download:                   ANgeDACHT 2024-11

 

Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlich

Diakon Olaf Eggert
Lafim-Diakonie  Dienste zur Teilhabe