Matthäus 20,28

Es knistert im Raum. Langsam füllt sich der Konzertsaal. Ausverkauftes Haus. Aufgeregte Anspannung liegt in der Luft. Die Kolleg:innen des Abenddienstes sind auch irgendwie „gespannter“ als sonst. Vereinzelt checken Musiker:innen ihre Instrumente. Steht der Stuhl richtig? Sind alle wichtigen Utensilien am Platz? Das dritte Klingeln ertönt, als der Notenwart auf leisen Sohlen in den Saal kommt, in den Händen die dicke Partitur. Mit Ruhe und Sorgfalt, ja fast schon Ehrfurcht legt er Beethovens 9. Sinfonie auf dem Pult ab und zieht sich wieder zurück. Im Saal erlischt langsam das Licht, die letzten Hustenbonbons werden hastig aus ihren Folien befreit. Heute ist nämlich absolute Ruhe im Saal geboten. Live-Aufnahme. Was ist es, dass uns da alle gerade so fesselt?
Es ist Hingabe. Pure und reine Hingabe – der Musiker:innen im Orchester, des Dirigenten, der Sänger:innen. Von Hingabe handeln auch die Erzählungen dieser Woche der Passionszeit. Passion heißt Leidenschaft. Wer leidenschaftlich ist, gibt sich rückhaltlos hin. Mit größter innerlicher Beteiligung. Mit Haut und Haar. Nichts bleibt zurück. Unsere Hingabe an Gott und an andere Menschen braucht zunächst einmal Gottes Hingabe an uns. Mit ihr fängt alles an. Gott schenkt sich uns, weil er sich unsterblich in uns verliebt hat. So sehr, dass er sogar seinen Sohn für uns hingibt. Jesus stirbt für uns den Kreuzestod, um uns freizumachen und aufzurichten. Das Kreuz ist der Beweis Gottes leidenschaftlicher Liebe. Gott sucht unsere Hingabe. Liebe verschenkt sich. Hingebungsvoll.
Der letzte Ton ist verklungen, der Taktstock des Dirigenten noch in der Luft, die kollektive Ergriffenheit im Saal fast mit Händen zu greifen. Im Dunkel des Saales kullern mir Tränen der Rührung über die Wangen, als mir die freundliche Dame zu meiner Rechten wortlos ein Taschentuch zuschiebt. Hingabe ganz praktisch eben.

Bleiben Sie auch in dieser Woche behütet!

 

Lasst uns beten:     Jesus Christus,  du bist gekommen, um zu dienen
und dein Leben zu geben zu unserer Erlösung.
Nimm uns mit auf deinen Weg  und zeig uns, wie wir leben sollen.
Dir vertrauen wir uns an heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Wochenspruch:      Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. Matthäus 20,28

Wochenpsalm:        Psalm 43  –  EG 724

Wochenlied:            EG 76 – O Mensch, bewein dein Sünde groß
oder
EG 97 – Holz auf Jesu Schulter

Download:                ANgeDACHT 2024-12

 

Ihre Sabine Papies
Mitarbeiterin Stabsstelle Unternehmensentwicklung und diakonische Kultur