2023/04

Existentielle Gegensätze werden in der ersten Woche des Monats April angespro­chen. Nicht nur mit dem Monatswort aus dem Römerbrief, sondern auch durch den Fortgang des Kirchenjahres. Die Karwoche erinnert an den Kreuzestod Jesu, den Grundskandal unseres christlichen Glaubens. Nicht selten wurden Christen in der Geschichte deshalb verspottet. Wie kann einer Gott sein, der sich kreuzigen lässt? Und wenn er es absichtlich tat, ist er wohl ein Esel – solche Zeichnungen gab es schon auf altrömischen Schulbänken. Der Skandal des Glaubens und die Realität des Todes beschäftigen uns also in den Gottesdiensten der Karwoche und die Ge­schichten der Evangelien über diese Woche veranschaulichen das Geschehen. Selbst im Fernsehen laufen dann spätestens am Karfreitag Verfilmungen des Kreuzigungs­geschehens. Wir setzen uns dabei auch exemplarisch mit dem schrecklichen Kontinuum der Menschheitsgeschichte auseinander, nämlich der Grausamkeit und Gewalt von Mensch gegen Mensch, die bis zum Tod reicht. Sie ist uns alltäg­lich bewusst und unsere ohnmächtige Hilflosigkeit angesichts der Bilder vom tobenden Krieg in der Ukraine betrifft uns in diesem Jahr besonders. Es scheint unmöglich den Krieg und die Gewalt auszurotten, trotz aller Werte, trotz aller Aufklärung, trotz aller Zivilisation.
Der April bringt im Verlauf des Kirchenjahres aber auch den Wandel, die Kehrtwende. So traurig und betroffen uns der Tod am Kreuz am Karfreitag macht, wir wissen schon – auch ohne Spoiler – dass das nicht das letzte Wort Gottes bleibt. Er ist lebendig ge­worden und er wird an Ostern der Herr über Lebende und Tote, sagt das Monatswort.
Das ist der große Trost angesichts unserer Hilflosigkeit der todbringenden Gewalt gegenüber: die Toten bleiben im Herrschaftsbereich Gottes, das letzte Gericht ist kein menschliches, sondern ein göttliches. Es ist das Gericht des lebendigen Gottes, der uns den tieferen Sinn und Zweck des Lebens geschenkt hat. Dieser bleibt uns im Leben oft verborgen, am Ende wird er sichtbar werden, weil wir in seiner Herrschaft bleiben. Da stehen wir alleine vor Gott, nicht in Abgrenzung, Vergleich oder Konkurrenz zu unseren Mitmenschen. Er befasst sich nur mit uns und unserem Leben und er wird lebendig machen. Das feiern wir an Ostern, auch wenn es uns ein Geheimnis bleibt. Es darf uns mit Freude füllen, die sich auf Gott richtet im Singen der vielen Hallelujas der Osterlieder und diese Freude darf dann auch uns und unser Leben erfüllen und uns zuversichtlich machen, trotz allem. Erstmal kommt es eben darauf an, selbst aller Gewalt zu widerstehen. Das gelingt mit der Kraft der Osterfreude. Halleluja.

Ich grüße Sie herzlich zum Osterfest 2023
Ihr Pfarrer Matthias Welsch