2024/04

Seit ein paar Wochen kommt Nadia regelmäßig in den Gottesdienst der kleinen Gemeinde. Zurückhaltend betritt die junge Frau mit den wachen Augen die Kirche und schiebt sich scheu in die hintere Bank. Auf leisen Sohlen verlässt sie nach dem Gottesdienst die Kirche ebenso schnell wie sie gekommen ist. Aber ein zufriedenes Lächeln umspielt ihre Mundwinkel. Nelli kommt seit Jahrzehnten in diese Kirche. Eigentlich schon immer. Hier ist sie getauft und konfirmiert. Hier hat sie ihren Kurt geheiratet. Hier hat sie sich letztes Jahr von Kurt verab­schieden müssen. Seitdem ist es leise geworden im Leben. Die Kinder weit weg. Die Freundinnen gestorben. Bis auf Ilse. Aber die hat Demenz und erkennt Nelli nicht mehr. Nelli ist meist schon früh in der Kirche und hat Nadia gleich bemerkt. Ein paar Wochen gehen ins Land, bis sie sich ein Herz fasst: „Kommen Sie mit zum Kirchenkaffee?“ Nadia durchzuckt es. Sie hat auch schon überlegt, ob sie die ältere Dame ansprechen soll. Sie traut sich nicht, weil sie noch wenig Deutsch spricht.
Mittlerweile treffen sie sich regelmäßig, gehen spazieren und manchmal ins Museum. Neulich waren sie auf dem Friedhof, um Kurts Grab zu bepflanzen. Sie erzählen sich aus ihrem Leben. Nadia vom Leben im Irak und der Flucht. Und während Nadia ein gelbes Stiefmütterchen in die Erde setzt, spricht Nelli über das Leben mit Kurt und wie schwer es ihr ohne ihn fällt. „Ach Nelli, wie schaffst du das?“ Nadia schaut zu ihr hoch und blinzelt in die Sonne. „Hoffnung!“ sagt Nelli und fängt erst leise und zaghaft an zu singen: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht´ mich nicht. Auf dich vertrau ich und fürcht´ mich nicht.“ Nadia stimmt mit ein und gemeinsam singen sie aus voller Kehle und mit strahlenden Augen.
Das ist, was der Monatsspruch uns mit auf den Weg gibt. Die Bereitschaft, den Menschen zu erklären, was uns antreibt: Die lebendige Hoffnung, die in Christi Auferstehung begründet ist. Deutlich auszusprechen, dass wir uns des Evangeliums nicht schämen. (Röm 1,16) So bestärkt und ermutigt können wir die Hoffnungsbotschaft des Osterfestes laut in die Welt hineinrufen:
Der HERR ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Aus den Zentralen Diensten in Potsdam grüßt Sie herzlich
Sabine Papies
(Stabsstelle Unternehmensentwicklung und Diakonische Kultur)