2024/08

Im Leben geht auch immer wieder etwas buchstäblich zu Bruch. Die Lieblings­tasse, die uns aus der Hand rutscht und klirrend auf dem Boden zerschellt. Die Stoßstange des Autos, die Bekanntschaft mit einem Poller gemacht hat. Auch Beziehungen finden ein Ende. Ein vertrauter Mensch stirbt plötzlich und hinter­lässt eine große Lücke im Leben. Partnerschaften und Freundschaften entzweien sich. All diese Verluste gehen nicht spurlos an uns vorbei. Sie hinterlassen Spuren, Wunden und zerbrochene Herzen. Kummer und Stress – emotionaler und körperlicher – können sogar richtig krank machen. So kann z.B. durch ein emotional belastendes Lebensereignis das Broken-Heart-Syndrom („gebrochenes Herz“) ausgelöst werden, mit Symptomen, die denen eines Herzinfarkt ähnlich sind. Enttäuschung, Schmerz und auch der Tod gehören unausweichlich zum Leben. Schmerzhafte Narben, manchmal auch ein regelrechter Scherbenhaufen bleiben zurück. Da gibt es nichts schön zu reden. Das tut weh. Nicht jede Wunde lässt sich mit Pusten und Pflaster verschließen. Wie nun mit Brüchen, Wunden und Scherben umgehen? Ein Alltagsgegenstand wie die Tasse ist schnell ersetzt. Wie aber das gebrochene Herz reparieren? Wie die Brüche ins Leben integrieren?

In der japanischen Tradition gibt es das Konzept Wabi-Sabi, d.h. die Schönheit im Unperfekten finden. Dazu gehört auch Kintsugi, eine besondere Kunst, bei der zerbrochene Gegenstände wieder zusammengefügt werden. Die Scherben werden dabei bewusst so aneinandergefügt, dass die Bruchstellen erst recht hervortreten. Sie werden sogar durch Gold noch veredelt. Ein neues Gefäß entsteht, die Spuren des Vergangenen bleiben aber sichtbar. Mehr noch, sie machen das Neue erst zu dem, was es ist. Ähnlich kann es auch mit den Bruch­stellen in unseren Lebensläufen sein. Sie machen uns aus. Die Risse werden nicht einfach spurlos ausgelöscht, sie verschwinden nicht. Sie formen uns stattdessen immer wieder neu. Lassen Versöhnung zu. Und dabei haben wir Hilfe. Unsere Wunden werden behutsam zusammengefügt und verbunden – von Gott. Sie werden immer bleiben, aber nicht mehr schmerzen. Oder nicht mehr so sehr schmerzen. Und dabei haben wir den tröstenden Beistand Gottes, die unsere zerbrochenen Herzen heilt und unsere Wunden verbindet.

 

Sabine Papies

Stabsstelle Unternehmensentwicklung und Diakonische Kultur