2025/06

Die Apostelgeschichte erzählt uns, wie sich das Christentum allmählich von einer innerjüdischen Reformbewegung zu einer eigenständigen Religion entwickelte. Dazu gehörte die Öffnung für Menschen, die nicht jüdischen Glaubens waren. Das war kein leichter Schritt für die Apostel: galt ihnen doch alles nicht-jüdische als heidnisch und unrein.
So auch Petrus. Im Traum sieht er lauter Tiere, die in seiner Tradition als unrein galten. Eine Stimme vom Himmel befiehlt ihm, sie zu schlachten und zu essen. Natürlich will er zunächst nicht, sträubt sich, ekelt sich vielleicht. Aber die Stimme erklärt mit höchster Autorität:
„Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht unrein.“

Unmittelbar danach wird Petrus in das Haus eines gottesfürchtigen Römers, also eines „unreinen“ Heiden gerufen. Er deutet seinen Traum richtig: Er darf diesen Ruf nicht ablehnen! Was für die übrige Schöpfung gilt, gilt auch für unsere Mitmenschen:
Weil wir alle Kinder des einen göttlichen Vaters sind, ist keiner besser oder reiner als die anderen!

Wir leben heute nicht mehr nach strengen religiösen Vorschriften, was wir essen und mit wem wir verkehren dürfen. Aber nicht nur falsch verstandene Religion kann Menschen trennen. Auch sozialer Hochmut oder politische Verblendung richten Mauern zwischen Menschen auf, die Gottes gute Ordnung in Frage stellen. Die Geschichte von Petrus lehrt uns: Solche Mauern sind menschengemacht. Vor Gott haben sie keinen Bestand. Wenn wir uns an Gott halten, können, ja müssen wir sie niederreißen. Gott wendet sich allen Menschen gleicher-maßen zu, und in der Nachfolge Jesu und seiner Apostel sollen wir es ganz genauso halten. Auch wir müssen dazu oft erstmal einen inneren Widerstand überwinden. Aber Ende gewinnen wir Freiheit – und neue Wegbegleiter.

Herzliche Grüße aus dem Kuratorium,
Ihr Oberkirchenrat Dr. Patrick Roger Schnabel