Im Geiste packen wir einen Umzugskarton. Wir suchen eine Bleibe. Ein Dach über dem Kopf, einen Ort, an dem wir sicher sind und an dem wir bleiben können, immer bleiben können.
Wir haben uns eingerichtet in unserer Welt, wir haben Häuser gebaut, wir haben Möbel und kistenweise Kram an dem wir hängen und der sich in unseren Zimmern und Wohnungen ansammelt, immer mehr – und wer kann schon wegwerfen. Wenn wir umziehen, dann müssen wir aussortieren, manch eine wird sich noch erinnern daran. Und wenn man dann aussortiert hat, dann sucht man gewiss genau das, was man gerade weggeworfen hat. Wir hängen an dem, was in unseren vier Wänden steht. Ein Umzug stellt das alles in Frage, warum sollten wir uns verändern, muss das denn wirklich sein.
Aber die Bleibe, die wir hier eingerichtet haben, hier in unserer Welt, die ist nur vorübergehend, nur eine Zwischenstation. Wir müssen umziehen wir suchen eine neue Bleibe.
Aber wohin, wohin nur gehen, wenn auf dieser Welt doch alles vergeht und nichts bleibt. Kann es da überhaupt eine Bleibe geben, so eine richtige für uns alle, für alle Menschen auf der Welt mit all ihrer Unterschiedlichkeit.
Jesus muss weg und redet vom „bleiben“, das griechische Wort, das Luther mit „Wohnung“ übersetzt bedeutet „Bleibe“. Er erinnert damit an das Bild vom Anfang des Kapitels. Er zeigt uns das neue Haus, die Wohnungen, die für uns bereitstehen, die frei sind. „Meines Vaters Haus hat viele Wohnungen, „viel Bleibe.“ Viele Wohnungen, für viele unterschiedliche Lebensanschauungen, unterschiedliche Menschen, auch unterschiedliche Religionen. Das Bild von der Bleibe macht klar, dass der Satz, der folgt „Ich bin der Weg und die Wahrheit“ kein Argument dafür ist, dass das Christentum die einzig wahre Religion ist.
Für die anderen ist auch Platz, wenn wir einander in Liebe ansehen. Denn was er da lässt als Wegweiser für die neue Bleibe ist der Friede: „den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Wir werden einziehen in ein Haus des Friedens. Das Materielle, die Wohnungseinrichtung an der wir hier so hängen, die wird da keine Bedeutung haben.
Es braucht gar keine Umzugskartons für diesen Umzug in die neue Bleibe. Der Umzug beginnt im Kopf, sein Vehikel ist die Liebe, sein Ziel ist Gott und das Ergebnis ist Frieden. Wir haben eine Bleibe, sie beginnt schon jetzt in unserem Herzen und sie ist für immer. Amen.
Wochenspruch: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Sach 4,6b
Wochenpsalm: Psalm 118 – EG 747
Wochenlied: EG 126 – Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist
Download: ANgeDACHT 2024-21
Zu Beginn dieser Woche nach Pfingsten grüße ich Sie herzlich
Pfarrer Matthias Welsch
Vorstand Personal und Diakonie, Lafim-Diakonie