Der gestrige 10. Sonntag nach Trinitatis wird traditionell in unseren Gemeinden als „Israelsonntag“ begangen. Er erinnert an die zwar wechselvolle, aber enge Beziehung zwischen Christen und Juden und lädt uns ein, diese Beziehung immer wieder neu zu erfahren und zu gestalten. Wir haben dieselben Wurzeln. Jesus selbst war wie seine Jünger Jude. Seine Lehren fußen in der jüdischen Glaubenstradition und in der hebräischen Bibel.
An diesem Israelsonntag 2024 stehen wir selbst aber in tiefer Betroffenheit über die Eskalation der Gewalt in Nahen Osten, den Grausamkeiten des Krieges und dem zunehmenden Antisemitismus, den wir in unserem Land und weltweit beobachten müssen. Menschen jüdischen Glaubens sind wieder bedroht an Leib und Leben und das Existenzrecht des Staates Israel ist infrage gestellt. Die Menschen in Gaza leiden unter intensivsten Kampfhandlungen inmitten ihrer Wohngebiete. Jahrelange Friedensanstrengungen scheinen umsonst gewesen zu sein.
Wir fragen uns: wie soll Frieden werden in dieser Region? Wie kann dem Hass, der Gewalt, der Bedrohung Einhalt geboten werden. Was können wir tun?
»Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.« (Mt 5,9) Diese Verheißung Jesu steht seit jeher der Wirklichkeit von Krieg und Gewalt kontrafaktisch entgegen.
Auch in scheinbar aussichtslosen Situationen: Frieden stiften. Auch wenn wir scheinbar weit weg sind: die Hoffnung hochhalten. Das Leid aller Menschen im Konflikt sehen und anerkennen.
Sich nicht schnell auf eine Seite zu schlagen und Schuldige suchen, sondern politische Lösungen zu bewirken. Und sich vor unsere jüdischen Mitbürger stellen. Mit Empathie und Mitgefühl Verständnis wecken. Frieden stiften eben. Jeder an seinem Platz.
Wir beten:
Herr, wir sind betroffen über die Eskalation von Terror und Gewalt in dem Land, das wir als Heiliges Land bezeichnen und mit dem wir uns in besonderer Weise als Ursprung unseres Glaubens verbunden fühlen.
Wir denken an die vielen Opfer, die getöteten Kinder, Frauen und Männer in Israel und im Gazastreifen.
Wir bitten dich: Sende deinen Geist, der blinden Hass überwindet, Wege aus der Gewalt zeigt und die Herzen der Menschen öffnet füreinander statt gegeneinander. Bestärke die Verantwortlichen in Israel und der arabischen Welt, den Weg der Annäherung fortzusetzen und Lösungen für ein friedliches Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen im Heiligen Land zu finden. Hilf, dass die Gewalt im Nahen Osten nicht zu weiterem Antisemitismus führt und wir unseren jüdischen Geschwistern im Glauben in diesen schweren Tagen zur Seite stehen.
Wochenspruch: Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! Psalm 33,12
Wochenpsalm: Psalm 122
Wochenlied: EG 290 – Nun danket Gott, erhebt und preiset oder EG 429 – Lobt und preist die herrlichen Taten
Download: ANgeDACHT 2024-32
Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlich
Klaus Ehrmann
Fliedners Lafim-Diakonie