Ich schreibe diese Zeilen am Montag nach der Bundestagswahl, am 3. Jahrestag des andauernden Krieges in der Ukraine. In Zeiten aufgeschreckter Herzen und überbordender Emotionen. Der Monatsspruch könnte aktueller nicht sein. Gott macht uns hier eine sehr klare Ansage. Wir sollen Fremde nicht unterdrücken. Punkt! Lesen wir dazu dann noch einen Vers weiter, wird uns noch einmal nachdrücklich gesagt, warum: Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. (Lev 19,34)
Meine Vorfahren haben sich vor ca. 200 Jahren aus Polen auf den Weg gemacht und sind der Arbeit im Bergbau hinterher gezogen. So landeten sie im Ruhrgebiet und einige blieben direkt in den Gruben im Harz hängen. Jede Familie hat also ihre Migrationsgeschichten. Manche schon Jahrhunderte her und manche erst eine oder zwei Generationen. Viele haben sich auf den Weg gemacht und machen sich auf den Weg, weil sie an Leib und Leben bedroht sind. Oder weil sie in Not leben und schlichtweg nicht mehr wissen, wie sie ihre Familie ernähren sollen. Keine macht sich gedankenlos oder sorglos auf diese mitunter gefährliche Reise ins Ungewisse.
Erfahrungen des eigenen Fremdseins haben sicherlich alle von uns schon gemacht. Vielleicht durch das Privileg – freiwillig und ohne Not – für einige Zeit im Aus-land leben du dürfen. Konnten so ihren Horizont erweitern und die Perspektive wechseln. Meine Auslandaufenthalte haben mich genau das gelehrt. Ich erinnere mich an Wochen in Armenien, wo ich immer und sofort als Ausländerin identifiziert wurde. Alle Straßenschilder auf Armenisch und Russisch. Alles war mir fremd. Da habe ich deutlich die Erfahrung gemacht, dass es andere Menschen braucht, die sich einem freundlich zuwenden und die unterstützen.
Erinnern wir uns also selbst einmal, dass auch wir hier und dort schon Fremde waren. Und daran, dass auch die Fremde unsere Nächste ist, die wir lieben und wertschätzend anerkennen sollen. Denn alle Menschen sind zum Bilde Gottes geschaffen und alle haben die gleiche Menschenwürde. Diese ist und bleibt unantastbar. Das leuchtende Himmelblau unserer Diakonie steht für Vielfalt, Demokratie und Menschenrechte.
Sabine Papies
(Mitarbeiterin Stabsstelle Unternehmensentwicklung und Diakonische Kultur)