2025/11

Ein Sprichwort sagt: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“ Gemeint ist damit die Verantwortung von Führungskräften für den Zustand in ihren Organisationen. In unserem Monatswort ist es der Prophet Hesekiel, der „denen da oben“ die „Leviten liest“. Der Zustand im Volke Israel ist nach Auffassung des Propheten verheerend. König, Hohepriester und überhaupt das ganze Establishment interessieren sich nur für sich selbst: „Sie weiden nur sich selbst“, sagt der Prophet Hesekiel. Hesekiel sieht, wohin das führen wird: in eine Katastrophe. Die Nachbarvölker werden Israel überfallen, den Tempel zerstören, die Führungsschicht deportieren und das Land verwüsten. Die Bewohner erstarren teilweise in Angst, ein anderer Teil flüchtet, andere wiederum werden vertrieben. Das ganze Volk Israel trägt damit den Schaden für seine schlechte Führung. Aber Hesekiel hat noch Hoffnung. Er sieht noch Licht am Ende des Tunnels. Und dieses Licht kommt von Gott her. Gott wird das Volk Israel einsammeln, wird die Versprengten nach Israel zurückführen und das Gotteshaus wird wieder errichtet werden. Gott verspricht im Monatsspruch durch den Propheten Hesekiel dem Volk Israel, dass Gott das Verlorene und Verirrte zurückbringen und sich um die Verwundeten und Schwachen kümmern wird. Auch wenn wir Menschen und unsere Führungen versagen, dürfen wir die Gerechtigkeit nicht aufgeben. Gott sieht nicht nur die Starken, sondern sein Blick wendet sich ganz besonders den Schwachen zu. Auch in der größten Not dürfen wir hoffen, dass alle Menschen und besonders die Hilfsbedürftigen von Gott gesehen werden. Hesekiels Klage ist aber auch ein Appell an die Führungsschicht. Sie sollen sich an Gott orientieren. Sie kommen ihrer Führungsverantwortung nur nach, wenn sie aufhören, sich um sich selbst und ihre Klasse zu kümmern. Sie haben den Auftrag für die Witwen, Waisen, Armen und Kranken zu sorgen. In unserem modernen Sozialstaat übernehmen diese Aufgabe besonders wir Träger der Freien Wohlfahrtspflege: Diakonie, Caritas, AWO, Paritäter, DRK, jüdischer Wohlfahrtsverband. Möge unsere Regierung immer daran denken, dass die Qualität eines Gemeinwesens sich daran misst, wie es mit den Schwächsten umgeht. Und mögen wir immer eingedenk sein, wie wichtig unser Dienst in unseren Häusern für junge Menschen, Familien, Menschen mit Behinderung und alte Menschen ist. Wir sind ein christlicher Dienst der Nächstenliebe und ein unverzichtbarer Baustein für unser Gemeinwesen.

 

Dr. Jörg Antoine

(kaufmännischer Vorstand)