Gott, zu Beginn der Karwoche kommen wir zu dir.  Wie soll ich dich empfangen, fragen wir uns. Wie können wir dem Geheimnis auf die Spur kommen, dass im Tod ein Neuanfang liegt? Auf dem Weg an dein Kreuz kommen wir zu dir, mit unseren eigenen Kreuzen, die wir tragen und anderen zu tragen geben.

(Ich nehme für die Andacht einige Samenkörner in die Hand.)

In meinen Händen Körner. Weizen. Im Herbst gesät, verbringt er Monate in der Tiefe. Im April schaut der Spross heraus. Wird zum Halm. Bildet Früchte, biegt sich unter ihrer Last. Im Sommer ist er reif für die Ernte. Vierzig, fünfzig Körner aus einem. Gut, wenn er sich biegt und nicht knickt oder bricht. Die Geknickten taugen nichts. Bloß bei Gott ist das anders. Das geknickte Rohr, sagt Gott, will ich nicht zerbrechen.

Ich bin wie ein Halm. Biege mich. Halte fest, was ich hervorgebracht habe. Hoffe, dass die Erde mich trägt und der Schöpfer mich hält. Manchmal liege ich am Boden. Geknickt. Taub ohne Glauben. Ohne Kraft. Aber Jesus sagt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, dann bringt es keine Frucht. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. In der dunklen Erde keimt das Korn, wird weich und süß und kriegt Kraft, schickt den Halm ans Licht, wächst ins Leben zurück.

Eines Tages wird Gott die Gebeugten aufrichten. Bis dahin bin ich nicht allein. In Jesus ist Gott nah. Sein Leben, sein Leiden bringt Frucht. Er war geknickt. Hat gelitten. Ist gestorben. Aber Gott hat ihn nicht im Dunkeln gelassen. Gott hat ihn auferweckt als ersten von uns allen. So trägt er tausendfache Frucht. Er lebt und trägt meine Last mit mir. Er geht alle Tage mit uns bis ans Ende der Welt.

 

Wir beten:                         Guter Gott, du siehst uns an, du siehst, was uns gelingt, du siehst, wo wir scheitern.
Wir bitten dich: Öffne uns Augen, Ohren und Herzen für deine oft alltägliche Nähe in einer Berührung, in einem aufbauenden Wort.
Guter Gott, dein Sohn Jesus Christus spricht: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“
Im Vertrauen darauf kommen wir zu dir mit allem, was wir für andere, für uns, für diese Welt erbitten.
Wir bitten für alle, die müde und mutlos geworden sind. Lass ihnen Menschen begegnen, die sie berühren, die sie aufrichten und sagen: Steh auf!
Wir bitten für uns selbst: Lass uns Menschen sein, die einander berühren und aufrichten. Lass uns zu solchen werden, die anderen die Hand reichen und berühren.
Amen!

Wochenspruch:             „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.  (Johannes 3,14b.15)

Wochenpsalm:               Psalm 69 (EG 731)

Wochenlieder:                EG 91 – Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken
oder
EG 14 – Dein König kommt in niedern Hüllen

Download:                         ANgeDACHT 2026-14

Einen guten Weg und Wegbegleiter in die Karwoche wünscht Ihnen
Diakon Olaf Eggert