Die Geschichte
Am Abend nach Ostern sitzen die Jünger hinter verschlossenen Türen. Angst. Ihr Freund und Lehrer wurde hingerichtet – und nun kursieren Gerüchte, sein Grab sei leer.
Plötzlich steht Jesus mitten unter ihnen. „Friede sei mit euch!“ – und er zeigt ihnen seine Wunden.
Nur Thomas war nicht dabei. Als die anderen ihm berichten, sagt er klar: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und meine Hand in seine Seite lege, werde ich es nicht glauben.“ Kein Ausweichen, kein So-tun-als-ob.
Eine Woche später erscheint Jesus erneut – diesmal ist Thomas dabei. Ohne Vorwurf, ohne Enttäuschung öffnet Jesus sich ihm vollständig: „Streck deinen Finger aus und sieh meine Hände, und streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“ Kein Befehl – eine Einladung. Eine Zumutung im besten Sinne: Hier bin ich. Mit allem, was ich durchgemacht habe. Komm näher!
Thomas antwortet mit dem tiefsten Satz des ganzen Evangeliums: „Mein Herr und mein Gott.“
Und Jesus sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Zum Nachdenken
Thomas ist eigentlich einer von uns: geerdet, ehrlich, nicht bereit, leichtfertig Ja zu sagen.
Wer täglich mit Menschen arbeitet, die leiden und nicht weiterwissen, kann sich fromme Vertröstungen nicht leisten.
Glauben heißt nicht, etwas für wahr zu halten ohne Beweise – das wäre Leichtgläubigkeit. Glauben heißt: Vertrauen schenken. Sich auf etwas einlassen, das sich dem Beweis entzieht, aber nicht der Erfahrung. Dieser Glaube fragt nicht: Kann ich das beweisen? Er fragt: Hält das, wenn es darauf ankommt?
In diakonischen Einrichtungen begleiten wir Menschen in Situationen, in denen keine Garantien möglich sind. Wir sind da – bei Krankheit, Verlust, Einsamkeit – ohne versprechen zu können, dass alles gut wird. Wir handeln im Vertrauen: dass Würde zählt, dass ein Mensch mehr ist als seine Diagnose oder sein Scheitern. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist täglich neu eine Entscheidung – eine Haltung, die nicht aus Beweisen folgt, sondern aus Erfahrung.
Thomas hat Jesus berührt – und wurde dabei selbst verwandelt. Auch wir berühren Menschen, täglich, im wörtlichen und übertragenen Sinn: wenn wir zuhören, wo andere wegsehen; wenn wir aushalten, was andere nicht aushalten wollen; wenn wir einem Menschen zeigen, dass er zählt. Das ist keine kleine Sache. Und vielleicht ist es das, was Glaube in die Welt bringt – nicht als Lehrsatz, sondern als Haltung, die man spüren kann.

Lasst uns beten:               Gott,
wir sind nicht immer sicher, was wir glauben sollen,
und manche von uns glauben gar nichts Bestimmtes.
Aber wir wissen, was es bedeutet, für jemanden da zu sein,
wenn jemand bleibt, auch wenn es schwer wird.
Lass uns das weitergeben – an die Menschen, die wir begleiten.
Stärke uns, wenn wir zweifeln oder nicht weiterwissen.
Und gib uns – auf welchem Weg auch immer – etwas, das trägt.
Amen.

Wochenspruch:                Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die
Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

Wochenpsalm:                  Psalm 116,1-9.13 (EG.E 96)

Wochenlied:                      EG 108 – Mit Freuden zart
oder
EG 117 – Der schöne Ostertag

Download:                      ANgeDACHT 2026-16                  

Ich wünsche Ihnen einen guten und vertrauensvollen Start in die Woche

Klaus Ehrmann
(Lafim-Diakonie Fliedners gemeinnützige GmbH)