Die Lafim‑Diakonie betrachtet nachhaltige Finanzen als zentralen Baustein ihres Klimaschutzes, weil jeder angelegte Euro direkte Auswirkungen auf die Emissionen der Organisation hat. Wenn es um Klimaschutz geht, denken viele an Solarzellen oder Bäume pflanzen.
Doch ein großer Hebel wird übersehen – Geld. „Jeder Euro wirkt – die Frage ist nur, in welche Richtung“, sagt Christian Schehle, Stabsstellenleiter Nachhaltigkeit der Lafim Diakonie.
Warum Geldanlagen ein Klimathema sind
Nachhaltige Finanzen gelten vielen als abstrakt, trocken oder nur etwas für Banken. Doch Christian Schehle macht klar, dass gerade soziale Träger wie die Lafim-Diakonie einen enormen Einfluss haben. Denn während Energieverbrauch und Gebäudetechnik sichtbare Emissionsquellen sind, verursachen Finanzanlagen in der Summe ähnlich viel CO₂.
„Unser Gasverbrauch mit 120 Gebäuden verursacht ungefähr so viele Emissionen wie unser Anlagevermögen. Das klingt überraschend, zeigt aber, wie gewaltig dieser Hebel ist“, sagt Christian Schehle.
Klimaschutz findet also nicht nur auf Dächern, in Küchen oder Heizräumen statt, sondern auch in Depots, Fonds und Bankordnern. Finanzanlagen sind ein Klimafaktor, der in seiner Wirkung oft unterschätzt wird – aber dieselbe Größenordnung wie Heizung, Energie und Gebäude unserer gesamten Organisation erreicht, verdeutlicht der Lafim-Diakonie Mitarbeiter.

Unser Bankkonto ist oft ein größerer Klimatreiber als Heizung oder Dienstwagen – und kaum jemand weiß es. Wie wir als sozialer Träger aber auch Privatpersonen mit einem einzigen Schritt Emissionen senken können, erklärt Christian Schehle, Stabsstellenleiter Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
Was nachhaltiges Investieren bedeutet
Christian Schehle erklärt das Prinzip des nachhaltigen Investierens ganz einfach. Es gibt Positivkriterien und Ausschlusskriterien. Wohin das Geld nicht hingehen sollte, ist klar – Rüstung, fossile Energien wie Öl, Kohle oder Gas, Unternehmen, die Suchterzeugung fördern – also Tabak, Alkohol, Cannabis – und Firmen oder Länder, die Menschenrechte verletzen.
„Unsere Hausbank investiert unser Geld in Teilen in erneuerbare Energien. Damit entstehen neue Windkraft- und Solaranlagen“, erklärt Christian Schehle. „Wollen wir wirklich Rendite erzielen, indem wir in Rüstungsfirmen investieren? Ein Panzer dient im besten Fall der Abschreckung. Im Einsatz verbraucht er 500 Liter auf 100 Kilometern und dient der Zerstörung. Das hat mit sozialer Verantwortung nichts zu tun“, so der Stabsstellenleiter für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
Wohin nachhaltiges Geld fließen sollte
Bevorzugt werden Unternehmen, die erneuerbare Energien produzieren, Klimaschutz aktiv gestalten und Technologien für die Dekarbonisierung entwickeln. Ein Vorbild ein Investmentfonds der Hausbank der Lafim-Diakonie. Geld, das dort angelegt wird, fließt direkt in neue Wind- und Solarprojekte, erklärt der 42-Jährige.
„Wichtig ist, dass tatsächlich neue Anlagen entstehen und nicht bestehende Anlagen in neu gegründete „grüne“ Tochtergesellschaften umgeschichtet werden. Das ist echter Klimaschutz“, betont Christian Schehle.
Warum nachhaltige Finanzen auch für Mitarbeitende wichtig sind
Das Thema betrifft nicht nur große Organisationen – sondern jede und jeden. Denn auch private Banken arbeiten mit dem Geld auf dem eigenen Konto. „Viele achten darauf, welchen Stromtarif sie haben. Aber kaum jemand fragt sich: Was macht eigentlich meine Bank mit meinem Geld?“, erklärt Christian Schehle. Dabei sei das entscheidend.
Die Diakonie folgt den ethischen Standards der Landeskirche Brandenburg. Dazu zählt auch das Divestment – also das bewusste Herausziehen von Geldern aus klimaschädlichen Branchen. Auch kleine Summen wirken, betont Christian Schehle.
„Ob 500 oder 5000 Euro Geldeingang pro Monat – Banken investieren damit in Firmen, die entweder unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten oder zerstören.“
Wertvolle Tipps für private Anlegerinnen und Anleger
Nachhaltig investieren können auch Privatpersonen – und das lasse sich schnell umsetzen, betont der Lafim-Diakonie Mitarbeiter. Dazu gehört, eine Bank zu wählen, die ethisch und ökologisch investiert, auf Gütesiegel zu achten, unabhängige Prüfstellen zu berücksichtigen und Greenwashing zu vermeiden – manche Banken deklarieren Fonds als „grün“, obwohl sie nur kosmetisch angepasst sind.
„Zu den glaubwürdigen Alternativen zählen etwa die Kirchenbanken sowie Institutes wie GLS, Triodos oder Ethikbank“, sagt Christian Schehle. Nachhaltiges Investieren bedeutet auch, Rendite anders zu bewerten. Ethische Verantwortung sollte immer vor maximaler Rendite stehen.
„Vielleicht bringt es weniger Gewinn. Aber wollen wir Geld verdienen, indem wir das Klima zerstören oder Kriege befeuern?“ Die Haltung der Lafim-Diakonie ist klar – lieber weniger Rendite, dafür echte Wirkung.
Warum Geld oft der schnellste Klimaschritt ist
Während neue Heizungen, Gebäudesanierungen oder Fahrzeugflotten Jahre dauern, kann nachhaltiges Investment sofort Emissionen reduzieren – und das ohne Baustellen, Umbauten oder Genehmigungen.
„Man muss nur seiner Bank sagen, dass nicht mehr in klimaschädliche Unternehmen investiert wird. Das ist einer der schnellsten und einfachsten Schritte für Umweltschutz überhaupt.“ Damit wird jeder Euro zu einem aktiven Klimaschutzbeitrag.
Fazit: Ein leiser, aber mächtiger Hebel
Schehle wünscht sich, dass nachhaltige Finanzen nicht länger ein Nischenthema bleiben. „Sie gehören zu den unterschätzten Werkzeugen für echte Veränderung – und jede Organisation, jede Bank und jede Privatperson kann sofort damit beginnen.“
Wer sein Geld nachhaltig investiert, verändert die Welt – leise, aber wirkungsvoll. Die Lafim‑Diakonie versteht diesen Hebel als festen Bestandteil ihres Klimaschutzes und setzt ihn konsequent ein, um Verantwortung für zukünftige Generationen zu übernehmen. „Geld hält unsere Welt zusammen. Entscheidend ist, welche Art von Welt wir finanzieren möchten.“