2026/09

Das zentrale Thema des biblischen Buches „Prediger“ ist die Frage nach dem Sinn des Lebens. Der Verfasser ist durchaus skeptisch im Hinblick darauf, ob Menschen damit klug umgehen, weil er bei ihnen viel Vergeblichkeit beobachtet. Die Formulierung „Haschen nach Wind“ ist ein sehr bildhafter Ausdruck dafür. Unterschiedlichste Lebensbereiche werden in den Blick genommen, unter anderem auch die Arbeitswelt. Es mag erstaunen, aber auch schon zu seiner Zeit vor ca. 2.300 Jahren beobachtet er, dass Menschen sich dabei von Druck und Stress beherrschen lassen und gierig danach streben, immer mehr an sich zu reißen und zu besitzen. Solch ein Verhalten ist also keineswegs eine moderne Erscheinung, sondern scheint tief im Wesen des Menschen verankert zu sein. Gut tut uns das nicht, weil es uns versklavt und keinerlei Zufriedenheit hervorruft.

Als Gegenkonzept schlägt der Verfasser, der „Prediger“ vor, die Arbeit in Ruhe zu verrichten. Damit redet er nicht der Faulheit und Trägheit das Wort. Er fordert nicht dazu auf, selbst die Hände in den Schoß zu legen, sich ein möglichst bequemes Leben zu machen und die Arbeit den anderen zu überlassen. Eher erinnert seine Haltung an das, was im Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ zum Ausdruck kommt. Eine gewisse Gelassenheit – auch bei der Arbeit – tut dem Leben gut. Dabei kann durchaus Fleiß im Spiel sein. Und es kann auch sein, dass das Arbeitspensum herausfordernd ist. Die entscheidenden Fragen aber sind:

a) Lasse ich mich von der Arbeit versklaven oder gestalte ich sie aus einer inneren, souveränen Motivation heraus?

und:

b) Betrachte ich die Arbeit als notwendiges Übel oder verstehe ich sie als einen wesentlichen, sinnstiftenden Teil meines Lebens?

Es lohnt sich, diesen Fragen immer wieder einmal offen, ehrlich und dabei auch selbstkritisch zu begegnen. Arbeit kann etwas Großartiges sein, wenn ich gute und für mich passende Antworten auf diese Fragen finde.

Gerade in einem Tätigkeitsbereich, in dem alle Arbeit darauf gerichtet ist, für Menschen da zu sein, die in besonderer Weise auf Unterstützung und Zuwendung angewiesen sind, kann das Sinnstiftende und Sinnerfüllende unseres Handelns deutlich aufleuchten, bei allem damit verbundenen Fleiß, Liebe und Kompetenz.

Frank Eibisch
(Theologischer Leiter)