Auch vor unserer Werkstatt wehen seit einigen Wochen drei Fahnen der Lafim-Diakonie mit der Aufschrift Für Demokratie und Vielfalt im Wind und zeigen unsere Haltung. Ich denke beim Anblick der Fahnen an die unterschiedlichen Stimmungen und nüchternen Zahlen im Land. Eine davon besagt: Noch nie waren auf unserer Erde so viele Menschen auf der Flucht wie 2023. Jeder 69. Mensch, sagt das UN-Flüchtlingshilfswerk vorige Woche. Sie fliehen vor Kriegen, vor Hitze, vor Überschwemmungen und vor Hunger. Der Uno-Flüchtlingskommissar Grandi sagt dazu: Hinter den blanken Zahlen stecken unzählige menschliche Tragödien. Dieses Leid sollte die Menschengemeinschaft aufrütteln. Für unser Land bedeutet das, wieder in nüchternen Zahlen: 2,6 Millionen Menschen flohen in unser Land, davon fast die Hälfte aus der Ukraine. Andere aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Zurzeit kehren nur wenige in ihre Heimatländer zurück.
Aber geht es noch um nüchterne Betrachtung der Wirklichkeit? Oder reden Menschen eher aus einer Stimmung heraus. Ich kenne nicht die Gemütslage derer, die in Bierzelten, in Biergärten oder auf Sylt Lieder wie „Ausländer raus“ singen. Wollen oder dürfen wir wirklich Menschen dahin zurückschicken, wo Krieg ist oder wo sie verhungern?
Deutschland darf nicht gegen die Menschenrechte verstoßen. Kann Deutschland alle Menschen aufnehmen, die bei uns leben möchten?
Ich bin dankbar, dass Jesus zu uns sagte (Matthäus 25,35): Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Das sagt Jesus in einem Gleichnis. Eigentlich meint Jesus das Weltgericht und denkt, dass Gott uns dann fragen wird: Wie habt ihr gelebt? Der, der uns das Leben und die schöne Erde geschenkt hat, möchte auch wissen, wie wir damit gelebt haben. Es gibt für Gott und Jesus nicht Menschen verschiedener Klassen und Wertigkeit. Was ihr den Geringsten tut, das tut ihr mir, sagt Jesus. Das mag uns vielleicht nicht gefallen – aber Jesus hat es gesagt. Und was er sagt, das meint er auch. Wir helfen uns, wenn wir Jesus ernst nehmen.
Wir beten: Gott, lass uns doch im Hören auf Dein Wort ablassen von dem, was uns gefangen nimmt und erkennen, was uns zur Freiheit befreit. Und annehmen, was Du uns geben willst, wenn wir zuhören und den erwarten, der mit Dir lebt und Leben schenkt. Gott, Du hast mich und alle Menschen geschaffen. Du hast mir und ihnen Augen gegeben, damit wir uns gegenseitig anschauen. Gegenseitig anschauen bedeutet: die Menschen in Deinem Licht sehen. Liebevoll und aufrichtig und ohne Hintergedanken. Dann gehören wir zusammen, stärken uns und tragen einander die Lasten, die für einen zu schwer sind. Dein Geist, Gott, möge unsere Herzen leiten.
Wochenspruch: Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch; Gottes Gabe ist es. (Epheser 2,8)
Wochenpsalm: Psalm 73 – EG 733
Wochenlied: EG 313 – Jesus, der zu den Fischern lief
Download: ANgeDACHT 2024-27
Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlich
Diakon Olaf Eggert
Lafim-Diakonie, Dienste zur Teilhabe