Jesaja 40,3.10

Welche Berge versperren uns im Advent die Sicht? Ist es die Arbeit, die zum wichtigsten Lebensinhalt geworden ist? Oder ein Gebirge von Sorgen, die uns wie eine Lawine unter sich begraben? Oder ein Berg voller Wünsche? Was liegt in unserem Blick? Nach welchem Horizont, in welchen Abgrund schauen wir? Belastet uns Schuld oder Trauer, sodass wir nicht mehr nach vorne schauen können? Über alldem die drängende Frage: Müssen wir den Bergen und Schluchten etwa alleine Herr werden? Und, wie sollen wir da im Advent dem Herrn den Weg bereiten?
Ich glaube, ganz ohne eigenes Zutun geht es nicht. Ich muss mir wenigstens der Berge und Täler, die meinen Blick versperren oder bannen, bewusst werden. Und versuchen, umzukehren, was auch heißt, einen neuen Blickwinkel zu gewinnen. Ich muss in Gottes Richtung schauen, damit ich überhaupt erfahre, dass er mir längst entgegenkommt. Auf einem Weg, den ich gehen kann.
Die französische Philosophin Simone Weil hat einmal gesagt:
„Es ist nicht Sache des Menschen, auf Gott zuzugehen, sondern Sache Gottes, auf ihn zuzugehen. Der Mensch muss nur zusehen und warten.“
Doch bin ich bereit, dieses Geschenk anzunehmen? Ich möchte es doch gerne selbst in der Hand haben, dass Gott und ich uns begegnen. „Der Mensch muss nur zusehen und warten“, schreibt Simone Weil. Nur? Für viele Menschen ist warten zu müssen, kein Zuspruch, sondern eine Zumutung. Heute sind Macher gefragt, Tatmenschen, Schmiede ihres eigenen Glücks. Zusehen und Warten gelten als Bequemlichkeit.
Jesus spricht in mehreren Gleichnissen von der Notwendigkeit geduldigen Wartens und erläutert das am Beispiel des Bauern. Der Bauer hat den Boden bereitet, die Saat ausgebracht, die Pflanzen gepflegt. Der Erfolg seines Tuns liegt dann in Gottes Hand. Übertrage ich dieses Bild auf mein Leben, dann heißt es: Der Samen, das Wort Gottes, die Erfahrung seiner Gegenwart in meinem Leben wird mir geschenkt. An mir liegt es, den Boden zu bereiten und die Pflanze zu pflegen – zum Beispiel mit dem Besuch oder der Mitgestaltung einer Andacht und auch dem Lesen in der Bibel und dem im Gespräch bleiben mit meinem Nächsten.

Lasst uns beten: Barmherziger Gott, ich danke dir, dass du den Weg zu uns geschaffen hast. Er ist schon da. Und du kommst uns auf diesem Weg entgegen. Du bist auch dann zu mir unterwegs, wenn ich selbst noch nicht aufgebrochen bin – dir entgegen.
Ich bitte dich, hilf mir Wichtiges vom Unwichtigen zu unterscheiden, lenke meine Konzentration auf dich, auf das Geschenk deiner Menschwerdung. Öffne mein Herz und Verstand für meine Aufgabe in deiner Heilsgeschichte und erweise dich als tragfähiger Grund in meinem Leben.
Ich bitte dich für alle Menschen, die den Weg nicht sehen, deinen Halt nicht spüren. Für alle, die zu traurig sind für den Trost, zu ängstlich für die Hoffnung, zu allein für das Vertrauen. Amen.

Wochenspruch: Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig. (Jesaja 40,3.10)

Wochenpsalm:   Psalm 130 – EG 751

Wochenlied:        EG 16 – Die Nacht ist vorgedrungen

Download:             ANgeDACHT 2024-51

 

Eine gesegnete Woche im Advent wünscht Ihnen

Diakon Olaf Eggert
Stabsstelle Christliches Leben