Gestern war Palmsonntag. Mit diesem Tag beginnt die Karwoche, die uns auf das Osterfest vorbereitet. Sie führt uns mitten hinein in die Spannungen des Lebens: zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen Licht und Dunkel, zwischen Leben und Tod.
An Palmsonntag erinnern wir uns an den Einzug Jesu in Jerusalem. Menschen jubeln ihm zu, breiten Kleider auf dem Weg aus, schwenken Palmzweige. Für sie ist Jesus der Hoffnungsträger – vielleicht sogar der ersehnte Retter, der alles zum Guten wendet. Er kommt nicht mit Gewalt, nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel – ein Zeichen des Friedens. Viele erkennen darin die Erfüllung alter Verheißungen. Ein neuer Anfang scheint möglich.
Doch nur wenige Tage später ruft dieselbe Menge: „Ans Kreuz mit ihm!“
Ein radikaler Umschwung. Wie kann das sein?
Die Evangelien berichten: Eine kleine, einflussreiche Gruppe fühlt sich bedroht. Jesu Botschaft passt nicht in ihre Ordnung. Er spricht von einem Gott, der nicht urteilt, sondern liebt. Von einem Miteinander,
das keine ausgrenzt. Von einer Gerechtigkeit, die nicht misst, sondern sieht. Das stellt Machtverhältnisse in Frage. Es verunsichert. Es macht Angst.
Jesus war unbequem. Und unbequem sind auch heute noch Menschen, die Menschlichkeit über Regeln stellen. Die Schwache stärken, statt sie zu übersehen. Die Liebe leben, auch dort, wo Hass laut ist. Vielleicht erkennen wir uns darin wieder – in unserem Beruf, in unserem Engagement, in unserer Haltung.
Auch heute stoßen Mitgefühl und Barmherzigkeit nicht überall auf Zustimmung. Es gibt Ablehnung, Widerstand, manchmal sogar Drohungen. Doch das Beispiel Jesu erinnert uns: Die Wahrheit der Liebe mag angegriffen werden, aber sie verliert nie ihre Kraft.
Jesus wusste, was auf ihn zukam. Und doch ging er den Weg. Nicht, weil er keine Angst hatte – sondern weil ihm seine Botschaft wichtiger war als sein Leben.
Diese Botschaft lebt weiter – auch durch uns.
In jeder helfenden Geste. In jedem offenen Ohr. In jedem Einsatz für Menschen, die sonst übersehen werden.
Möge uns die Karwoche daran erinnern, wofür wir stehen. Und möge sie uns Kraft geben, auch in schwierigen Momenten unseren Weg weiterzugehen – mit Mut, mit Liebe und mit Hoffnung.
Wir beten:
Lieber Gott,
Zu Beginn der Karwoche denken wir an den großen Empfang für Jesus, aber auch an das Kreuz, das schon bald auf ihn wartete.
Du kennst unsere Leben, unsere Wünsche wie unser Scheitern sowie unsere tiefe Sehnsucht nach Gerechtigkeit sowie Frieden.
Du weißt, wie schwierig es manchmal ist, sich für das Richtige einzusetzen, wenn es Gegenwind gibt als auch Hilfsbereitschaft lästig scheint.
Schenk uns den Mut, Liebe zu zeigen, selbst wenn es schwerfällt.
Lass uns die Menschen sehen, die niemand beachtet. Stärke uns, damit wir uns für Menschlichkeit einsetzen, sei es im Job, in unserer Art zu sein oder im Umgang miteinander.
Geh mit uns durch diese Karwoche, durch gute wie schlechte Zeiten, und lass uns merken, dass du bei uns bist auf dem Weg zum Leben.
Amen
Wochenspruch: Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh 3,14b.15)
Wochenpsalm: Psalm 69 – EG 731
Wochenlied: EG 91 – Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken
EG 14 – Dein König kommt in niedern Hüllen
Download: ANgeDACHT 2025-16
Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlich
Klaus Ehrmann
Fliedners Lafim-Diakonie