In manchen Freikirchen ist es Pflicht, über sein persönliches Erweckungserlebnis berichten zu können. Also einen Moment, ein Erlebnis, eine Art „Blitz“ beschreiben zu können, wo einem auf einmal klar wurde, wie wichtig der Glaube, Jesus Christus, Gottes Liebe im eigenen Leben sind.
Das eindrücklichste Beispiel dafür ist für mich die Verwandlung des Saulus zum Paulus. Paulus war ein jüdischer Gelehrter und Eiferer und verfolgte die christliche Minderheit, die damals noch als innerjüdische Abspaltung wahrgenommen wurde. Vor Damaskus traf ihn plötzlich ein Licht vom Himmel, er fiel zur Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was ver-folgst du mich? (Apostelgeschichte 9,3). Aus Saulus wurde Paulus; der sich unter Einsatz seines Lebens für den christlichen Glauben und seine Glaubensgeschwister einsetzte. Als Paulus war er ein neuer Mensch geworden.
Für Martin Luther gab es diesen Moment, wo für ihn der ganze Glaube neu wurde, als er beim Bibelstudium aus dem Römerbrief erkannte, dass wir Gott nicht mit guten Werken überzeugen müssen, sondern allein der Glaube uns Gott näher bringt. Mit diesem Geistesblitz sah Luther Glaube, Kirche und Welt ganz neu. Es brauchte also keiner Kirche mehr, die für Spenden Sündenablassbriefe erteilte. Jeder Mensch kann Gott unmittelbar begegnen; er braucht dazu nicht einer Kirche als Vermittlerin.
Und wir selbst? Haben wir auch diese Momente in unserem Leben, mit denen sich unser Leben schlagartig änderte? Ich weiß noch bei mir wie ich den Glauben wieder entdeckte. Obwohl kirchlich aufgewachsen, hatte ich den Glauben während des Abiturs und des Studiums verloren. Zu vieles kam mir wie gut erfunden vor. Aber im September 1994 stieß ich zufällig in der Bibliothek auf ein theologisches Buch und schaute mehr zur Ablenkung hinein. Ich stieß auf den Gedanken, dass wir im Leben wie im Glauben immer erst einmal aus Gewohnheiten und Plausibilitäten heraus leben. Wir können nicht beweisen, dass unsere Freunde uns mögen. Wir wissen nicht, ob die Welt da draußen wirklich so ist, wie wir meinen. Wir können immer nur ganz pragmatisch in dem Vertrauen leben, dass wir auf dem richtigen Weg sind und uns immer wieder korrigieren. Für mich wurde daraus deutlich, dass auch der Glaube ein offener Weg ist. Ich mich immer wieder korrigieren kann und darf. Ich auch niemanden meinen Glauben beweisen muss, sondern ihn einfach leben darf, weil er mir und anderen gut tut. Mit dieser pragmatischen Gewissheit wurde mir vieles einfacher
Wir beten: Guter Gott, Du gehst mit uns auf allen Wegen. In Zeiten des Wandels und beim Beginn neuer Lebensabschnitte bitten wir Dich um Mut, Vertrauen und Zuversicht. Lass Hoffnung unser Kompass sein, wenn Altes endet und Neues beginnt. Stärke uns darin, uns immer wieder neu auf Dich einzulassen und offen für Veränderungen zu bleiben. Amen
Wochenspruch: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
(2. Korinther 5,17)
Wochenpsalm: Psalm 66
Wochenlied: EG 432 – Gott gab uns Atem, damit wir leben
Download: ANgeDACHT 2025-20
Eine guten Wochenstart wünscht Ihnen
Ihr Jörg Antoine
Kaufmännischer Vorstand