Jesus ruft uns mit dem Wochenevangelium (Lukas 16,19-31) auf, unseren Glauben im Alltag aktiver zu leben.
Deutlich formuliert das Evangelium vom reichen Prasser und dem armen Lazarus die obenstehende Kritik an unserer Lebensweise. Tag für Tag feiert der Reiche glanzvolle Feste, doch Lazarus, der Tag für Tag arm, hungrig und krank vor seiner Tür liegt, sieht er nicht.
Wer wäre denn wirklich so gefühllos und unbarmherzig? Ich bin mir da nicht so sicher. Die soziale Schere geht von Jahr zu Jahr weiter auseinander, in unserer Gesellschaft und global. Bösartigkeit? Ich glaube nicht. Vielmehr ist es Gedankenlosigkeit, die den Reichen den armen Lazarus gar nicht sehen lässt, Gleichgültigkeit, die nicht merkt, dass es anderen Menschen schlecht geht, während man selbst im Glück schwimmt. Erschreckende Ignoranz, die nicht wahrnimmt, was um einen herum los ist. Ich möchte die Kritik des Evangeliums auf einer anderen Ebene betrachten als dem des Essens und Trinkens, der Feiern und Feste. Auf der Ebene der Ressourcennutzung.
Die reichen Industrienationen verbrauchen den Großteil der Energie weltweit, der Bodenschätze, der Nahrungsmittel. Wir fahren mit unseren PKWs, fliegen in Urlaub und so weiter und so fort. Ja, Umweltschutz und Klimawandel sind zentrale Themen der Gesellschaft und der Politik, unterschiedlichste Lösungen werden diskutiert, doch selten ist von Verzicht die Rede. Wir freuen uns über jedes Wachstum in der Wirtschaft. Unser Lebensstandard soll nicht sinken. Völlerei?
Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Dabei gibt es schon heute Opfer des Klimawandels. Jahrelange Dürren in Ländern Afrikas, die dort zu Hungersnöten führen. Überschwemmungen in Bangladesch und in anderen Ländern mit Tausenden Opfern. Und Sie erinnern sich bestimmt noch an die Flut vor wenigen Jahren in Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz und die Dürre im Mai im Land Brandenburg. Nur wenige Beispiele. Worauf bin ich bereit zu verzichten? Oder bin ich – ökologisch betrachtet – der reiche Prasser und sehe die Opfer meines Lebenswandels nicht?
Wir beten: Gott, du bist die Liebe. Auf diese Liebe hoffen und vertrauen wir. Wir bitten dich um dein Eingreifen, um dein Wirken:
Wir bitten dich für alle Menschen, die momentan keine Liebe erfahren oder deren Liebe enttäuscht oder verraten wurde. Lass sie nicht den Mut verlieren, neu zu lieben. Hilf uns, dass wir nicht vergessen, wie arm unser Leben ohne Liebe ist.
Wir bitten dich für alle um dein Erbarmen, deren Freude überschattet ist von Leid und Not: Für die Obdachlosen und für alle, die ohne Arbeit sind. Für die Kranken und die Alten, die nicht im Kreis ihrer Familie sein können oder niemanden mehr haben.
Gott und Vater, wir loben dich, du bist die Liebe und durch dich ist die Liebe in die Welt gekommen.
Wochenspruch: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. Lukas 10,16a
Wochenpsalm: Psalm 28
Wochenlied: EG 365 – Von Gott will ich nicht lassen
Download: ANgeDACHT 2025-26
Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Diakon Olaf Eggert