Gal 6,2

Was ist das Gesetz Christi? Liebe.
Kann man auf Befehl lieben? Nein.
Ich kann Liebe nicht steuern. Aber ich kann versuchen, mit den Ohren eines anderen zu hören und mit seinen Augen die Welt zu sehen. Ich kann versuchen, mir vorzustellen, was es heißt, wenn der Mann viel zu früh gestorben ist oder die Tochter schwer krank liegt. Ich kann versuchen, mich an die Stelle des anderen zu versetzen, der jetzt vor Gericht sitzt. Oder die, die zu Hause weint. Oder das Kind, das morgen eine Arbeit schreibt, und davon hängt ab, ob es die Klasse wiederholen muss. Oder der Junge, den man schneidet, weil er stottert. Oder das Mädchen, das man hänselt, weil es nicht die Modekleider anhat und den Bauchnabel nicht zeigt. Oder die Frau, die in der Öffentlichkeit ein Kopftuch trägt. Oder der Mann, der sein Haus zum Schleuderpreis verkaufen muss mitten im Rohbau.
Je näher ich einem Menschen komme, umso mehr fällt er mir zur Last. Mit seinen Eigenheiten und Schwächen. Mit seiner Geschichte, die ihn prägt und zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit macht. Diese intime Nähe fürchten viele. Sie wissen, ich werde den Erwartungen des anderen nicht gerecht, und er nicht den meinigen. Es geht um uns als Sünder. Nicht eben nur als lästige Partner.
Die Sünde des anderen tragen. Seine Schuld übernehmen. Eine Gemeinde, die sich auf Jesus Christus beruft, sollte dazu Übungen anbieten, barrierefrei.[1]

 

Wochenspruch:     Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Gal 6,2

Wochenpsalm:      Psalm 42,2-6

Wochenlied            EG 428 Komm in unsere stolze Welt

Download:              ANgeDACHT 2025-29

 

Zu Beginn dieser Woche grüße ich Sie herzlich

Pfarrer Matthias Welsch

 

[1] Textausschnitt aus Pastoralblätter, Juli 2017