Manchmal denke ich: „Warum stehen wir heute vor so großen Herausforderungen? Wie kann es weitergehen mit der Kirche, wo doch immer weniger Menschen sich taufen lassen? Wie geht es weiter mit unserem Land, wo sich die Haushaltslücken und Löcher in den Kassen der Sozialsysteme immer weiter öffnen? Wie geht es weiter mit der Welt, wo die Demokratie auf dem Rückzug ist und immer mehr Autokraten ihr Unwesen treiben?“
Manchmal versuche ich aber auch, mich in andere Zeiten zu versetzen. Und komme dann zu dem Schluss: die Herausforderungen waren damals genauso groß wie heute; es waren nur andere Herausforderungen und nur im Nachhinein erscheint es uns so, als wenn es keinen anderen Weg hätte geben können.
Vor einer großen Herausforderung stand auch die Urchristenheit. Das Christentum war zunächst nur eine innerjüdische Bewegung. Christ konnte nur sein und werden, wer auch jüdisch und beschnitten war. Es gab in der Antike aber viele Menschen, die vom Judentum und dann auch vom Christentum fasziniert waren, aber am Rande der Gemeinde standen. Diese Menschen trauten sich nicht, sich durch die Beschneidung zum Judentum und Christentum als Form des Judentums zu bekennen.
In dieser Situation war es der Apostel Paulus, der sich etwas „traute“. Paulus erkannte, dass Jesus Christus alle Menschen zum Glauben eingeladen hatte. Es spielt deshalb keine Rolle, ob diese Kinder einer jüdischen Mutter und beschnitten waren. Paulus taufte also alle Menschen, die Juden wie die sogenannten Heiden auf Jesus Christus. Das gab einen riesigen Ärger mit Petrus und seinen Anhängern. Aber Paulus war standhaft und öffnete das junge Christentum für alle Menschen. Er wurde zum Apostel der „Heiden“. Und so schrieb er an die neuen „Heidenchristen“: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“
Für mich ist das Handeln des Paulus die Ermutigung, dass Gott alle Menschen zum Glauben einlädt. Alle Menschen sind vor Gott gleich. Und wir als Lafim-Diakonie sollten auch alle Menschen einladen, zu uns zu kommen: ob als Bewohner:in oder als Mitarbeiter:in – alle Menschen sind eingeladen, bei uns zu leben und mitzuwirken. So freue ich mich, dass wir in der letzten Zeit viele Mitarbeiter:innen mit Migrations-hintergrund für uns gewinnen konnten: Ukrainer:innen, aber auch Menschen aus Asien und Afrika. Diese Menschen bereichern uns; viele von ihnen sind sogar gläubig und auch Mitchrist:innen. Zu ihnen können wir sagen: „So seid Ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger:innen in der Lafim-Familie und unsere Hausgenoss:innen. Herzlich Willkommen!“
Wir beten: Barmherziger Gott, Vater und Mutter aller Menschen. Vor Dir sind alle Menschen gleich: jede Hautfarbe ist Dir lieb; Mann oder Frau oder Divers ist Dir gleichwertig, alt oder jung, krank oder gesund – Dein Liebe gilt uns allen. Öffne unsere Herzen für alle Menschen. Gib uns den Mut, für andere Menschen offen zu sein. Lass uns gute Gastgeber:innen sein. Gib uns im Umgang mit dem „Fremden“ Offenheit, Gelassenheit und Humor. Lass uns Freude an dem Reichtum Deiner Schöpfung haben und alle Menschen einladen, unsere „Hausgenoss:innen zu sein.“ Darum bitten wir Dich, stärke uns auf diesem Weg. Amen
Wochenspruch: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen (Eph 2,19)
Wochenpsalm: Psalm 107, 1-9
Wochenlied: EG 320 – Nun laßt uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren
Download: ANgeDACHT 2025-32
Eine guten Wochenstart wünscht Ihnen
Ihr Jörg Antoine
Kaufmännischer Vorstand