Wann waren Sie das letzte Mal so richtig verzaubert? Mit verklärtem Blick der Welt entrückt? Im Kino oder beim Blick auf Meer oder Berge im Sommerurlaub? Ich hoffe, Sie müssen jetzt nicht allzu lange überlegen. Mir geht es oft im Theater so. Dort hörte ich neulich die Erzählung von der Nächstenliebe – dem Thema dieser Woche – in einer wohlvertrauten Geschichte und war doch ganz neu davon berührt:
„Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach „ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.“ Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte „Gott segne dirs,“ und ging weiter.
Da kam ein Kind, das jammerte und sprach „es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.“ Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin.
Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch ein Kind und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte „es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,“ und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter harte blanke Taler: und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.
Wunderbar passt das Märchen von den Sterntalern zum Wochenlied. „Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält (…), dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt.“
Lasst uns beten: Manchmal ist dein Ruf so dringend, so deutlich, dass alles einfach erscheint, was eigentlich schwer ist. Lass mich dem nachgehen, mein Gott, und nicht ausweichen. Und sehen, wohin du mich führst. Amen.
Wochenspruch: Alles, was ihr für eines dieser meiner geringsten Geschwister getan habt, habt ihr für mich getan. (Mt 25,40b)
Wochenpsalm: Ps 112
Wochenlieder: EG 412 – So jemand spricht: „Ich liebe Gott“
EG.E 28 – Wenn das Brot, das wir teilen
Download: ANgeDACHT 2025-38
Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Start in die Woche und grüße herzlich aus den Zentralen Diensten in Potsdam
Sabine Papies
(Mitarbeiterin Stabsstelle Unternehmensentwicklung und diakonische Kultur)