Matthäus 5,9

„Komm den Frieden wecken“ lautet das Motto der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade, die gestern begonnen hat. Mit Blick auf die Kriege in der Welt und all die kleinen Gehässigkeiten unter den Menschen denke ich oft: „Wie, ja wie nur können wir ihn wecken? Der Frieden scheint tief und fest zu schlafen.“ Und dann fallen mir doch immer wieder zahlreiche Menschen ein, die Frieden stiften – im Großen und im Kleinen.
Da sind z. B. Maoz und Aziz aus Nazareth, einer arabisch geprägten Stadt mitten in Israel. Maoz ist jüdischer Israeli, Aziz Palästinenser. Beide sind schon lange Friedensaktivisten. Mehr noch – sie sind Freunde, auch noch nach dem 7. Oktober. Maoz stammt aus einem Kibbuz nahe Gaza. Seine Eltern und viele seiner Freunde wurden am 7. Oktober getötet. Aziz verlor als kleiner Junge seinen Bruder, der von israelischen Soldaten getötet wurde. Und er verlor Freunde in Gaza. Einer der ersten, der Maoz in den schlimmen Tagen nach dem 7. Oktober anrief und sein tiefes Beileid ausdrückte, war sein Freund Aziz. In einem berührenden Gespräch zwischen den beiden[1] erzählt Maoz von einem Traum, den er hatte: Er weinte und weinte und mit ihm die ganze Menschheit. Diese Tränen – unser aller Tränen – wuschen im Traum die blutgetränkte Erde ab und der Weg zum Frieden wurde sichtbar. Da wusste er, dass trotz seines Schmerzes und seiner Wut, dieser Weg der einzige richtige ist. Auf die Frage, was ihm in diesem Schmerz die Kraft gibt, am Frieden festzu­halten, antwortet Maoz: „Meine Eltern. Es ist das Vermächtnis meiner Eltern. Sie haben mich so geprägt und erzogen.“
Sein Vater war Landwirt und das war ein hartes Leben. Maoz erinnert sich, dass es ein Jahr eine Dürre gab. Im zweiten Jahr dann Überschwemmungen und im dritten Jahr eine Insektenplage. Aber am Ende jeder dieser verheerenden Ernten sagte sein Vater:
„Maoz, nächstes Jahr werde ich wieder säen, denn nächstes Jahr wird ein besseres Jahr.“ Und seine Mutter Bilha gab ihm mit auf den Weg: „Alle unsere Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, sie zu verfolgen.“
So lasst uns dem Frieden nachjagen und den Weg der Gerechtigkeit gehen. Mit vielen leisen Gesten des Miteinanders, mit dem mutigen Säen des Pflänzchens Hoffnung und mit dem lauten Ruf nach Frieden, auf dass endlich der Frieden „ausbrechen“ kann!

Friede sei mit euch! Salaam und Schalom!

 

Lasst uns beten:         Gott allen Lebens, du weckst Sehnsucht nach Erneuerung unserer Welt, nach Frieden und Leben in deinem Geist. So lass uns erkennen, wo dein Reich heute schon unter uns ist, damit wir ermutigt werden, Zeichen deiner Zukunft zu setzen und auf dein Heil zu warten für unsere ganze Erde. Amen.

Wochenspruch:          Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9)

Wochenpsalm:            Ps 85,9–14

Wochenlied:                EG 152 – Wir warten dein, o Gottes Sohn    oder
EG 426 – Es wird sein in den letzten Tagen

Download:                      ANgeDACHT 2025-46

 

Ich wünsche Ihnen eine aufgeweckt friedliche Woche.

Sabine Papies
(Mitarbeiterin Stabsstelle Unternehmensentwicklung und diakonische Kultur)

[1] Sie können dieses Gespräch hier finden: InterAct (es ist in englischer Sprache)