Der sieht die Weltlage aber sehr durch die rosarote Brille! – Wenn wir so über jemanden reden, halten wir die Person für naiv. Und in der Tat: Ist man nicht naiv, wenn man in diesen Zeiten an eine gute Zukunft glaubt?

Gestern war der Sonntag „Lätare“ (zu Deutsch: Freue Dich!), der rosarote Sonntag in der sonst violetten Passionszeit. Auch die zweite Bußzeit des Kirchenjahres, der Advent, hat mit dem Sonntag „Gaudete“ (zu Deutsch: Freut Euch!) einen solchen rosaroten Sonntag. Eigentlich müssten Paramente und Stolen an diesen beiden Tagen zu rosa wechseln. Die meisten Brandenburger Gemeinden, die ich kenne, sind dafür zu sparsam: Warum Paramente kaufen, die man nur zweimal im Jahr braucht?

Aber Sparsamkeit ist hier fehl am Platze. Gerade an der Freude sollte man nicht sparen. Das Kirchenjahr schiebt diese beiden frohen Tage bewusst in Zeiten, die sonst von der Trauerfarbe eines feierlich-dunklen Violett geprägt sind. Das sagt uns: Trauer, Buße, Leiden – das kann man im Leben nie ganz umgehen, aber es ist kein Selbstzweck. Als Christen wissen wir, dass es dazugehört, aber wir sehen immer auch das Licht am Ende des Tunnels.

Die kirchlichen Traditionen sind voll solcher Symboliken. Denn es ist etwas anderes, sich den Glauben nur mit dem Kopf zu erschließen, oder aber ihn mit allen Sinnen zu leben. Wer in der Passionszeit die rosa Stoffe leuchten sieht, bekommt die Freudenbotschaft im Wortsinn vor Augen gestellt.

Der Wochenspruch verstärkt diese Botschaft: Das Weizenkorn muss in die Erde eingebracht werden, um Frucht tragen zu können. Jesus muss sterben, um auferstehen zu können. Wir müssen sterben, um das ewige Leben zu erlangen.

Das Dunkle wird nicht verleugnet, aber als Passage betrachtet. Man muss hindurch, aber am Ende des Tunnels leuchtet es hell. Es ist kein Violett so tief, dass darin nicht schon der rosa Schimmer erkennbar wäre.

Das soll auch unsere Wahrnehmung dieser Welt prägen. Ja, vieles ist düster. Vieles macht uns Angst. Aber als Christen dürfen und sollen wir immer wieder die rosarote Brille aufsetzen: Weil wir an eine bessere Zukunft glauben, arbeiten wir auch an ihr!

Lasst uns beten:         „Führe mich, gütiges Licht, durch die umgebende Dunkelheit. Führe du mich weiter.“

                                               John Henry Newman (1801–1890)

Wochenspruch:          Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel
Frucht. (Johannes 12,24)

Wochenpsalm:            Psalm 82,4-13

Wochenlied:                 EG 98 – Korn, das in die Erde
oder
EG 396 – Jesu, meine Freude

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Zum Start in die neue Woche grüße ich Sie herzlich

Ihr
Oberkirchenrat Dr. Patrick Roger Schnabel
(Mitglied des Kuratoriums)