In großen Lettern steht es über dem Haupteingang: Fachklinik für seelische Gesundheit. Etwas kleiner darunter das Wort Psychiatrie. Ein langer Klinikflur in Weiß, Blau und Türkis. Die Räume hell und freundlich. Die Türen offen. In beide Richtungen. Ein Schild weist den Weg zu den Spezialtherapien. Kunsttherapie steht an der einen Tür. Ein Stück weiter geht es zur Tanztherapie. Im Wartebereich wartet Leon auf seine nächste Therapiestunde. Zusammengesunken sitzt er da. Ganz vorne auf der Kante des Stuhls. Die Kapuze seiner Jacke tief ins Gesicht gezogen. Die Füße wippen nervös auf und ab. Er hat auch diese Nacht nicht gut geschlafen. Die Hände scheinen nicht so recht zu wissen, wo sie hinsollen. Seit gut drei Wochen ist Leon wieder hier auf Station. Diese innere Unruhe einerseits und diese bleierne Erschöpfung andererseits. Auf die Frage, wie es ihm geht, antwortet er mit traurigem Schulterzucken: „Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll“ flüstert er kaum hörbar. „Aber das, was Frau Ertler hier mit uns macht, das beruhigt mich voll gut.“ Auf dem Türschild über Leons Kopf steht: Musiktherapie. An der Tür ein Poster mit einem Zitat: „Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Der Schriftsteller Victor Hugo hat es poetisch auf den Punkt gebracht.
Das hebräische Wort Nefesh trifft es gleich doppelt. Es bezeichnet den Hals, genauer die Kehle und es ist auch das Wort für Seele. In der Kehle sitzt die Seele. Musik kann eine wunderbare Ressource sein. Wenn die Worte fehlen. Wenn Sprache an ihre Grenzen stößt. Mal als kraftgeladenes Raustanzen, mal zur Beruhigung. Musik hat mächtig was drauf.
Eine ähnliche Geschichte wie die Leons erzählt uns in dieser Woche auch die alttestamentliche Lesung der Bibel: die Geschichte von Saul, wie sie in 1. Samuel 16,14-23 steht. Saul geht es mental wirklich nicht gut. Er ist aufgebracht, unruhig und seine Stimmung tief verfinstert. „Ein böser Geist kommt regelmäßig über ihn“, beschreibt es die Bibel. Heute würden wir wohl eher von einer psychischen Erkrankung sprechen. Vielleicht eine Depression? Oder gar eine Psychose?
Saul selbst weiß aber auch, was ihm helfen könnte. Er schickt seine Männer los. Sie sollen einen suchen, der richtig gut Harfe spielen kann. Denn Musik ist das Einzige, was ganz sicher sein aufgewühltes Gemüt beruhigen kann. Und Gott sei Dank kennt da einer einen… Netzwerke sind immer gut. Ein junger Mann tritt vor und sagt: „Da in Bethlehem wohnt einer, der richtig gut Harfe spielt. David heißt er.“ Und so wird nach diesem David geschickt und David an den Hof Sauls geholt. Und immer, wenn David die Saiten der Harfe spielt, beruhigt sich Saul. Da kann er befreit aufatmen, denn der „böse Geist“ verlässt ihn.
Lasst uns beten: Du Gott, der Recht und Frieden liebt:
Lass dir den Dank gefallen, den wir singen,
das Lob, das wir dir spielen.
Freu dich mit uns an der Musik
und ihrer heilenden Kraft.
Im Singen und Spielen, im Hören und Tanzen
verbinde uns mit dir, Gott,
die du Heil und Leben bringst.
Amen.
Wochenspruch: Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.
(Psalm 98,1)
Wochenpsalm: Psalm 98
Wochenlied: EG 302 – Du meine Seele, singe
oder
EG.E 19 – Ich sing dir mein Lied
Download: ANgeDACHT 2026-19
Ich wünsche Ihnen eine singende-klingende Woche
Sabine Papies
(Stabsstelle Diakonische Kultur)