Höre,

auf Latein „Exaudi“ – so lautet der Name des Sonntags, der am Beginn dieser Woche steht. Damit nimmt er einen Satz aus Psalm 27 auf:
„Höre doch, HERR, meine Stimme.“

Der Mensch, der diesen Psalm gedichtet hat, befindet sich in einer sehr schwierigen Lage. Er hat mit Anfeindungen zu kämpfen, die ihm zu schaffen machen.
Und er trägt eine Sehnsucht in sich: Dauerhaft im Tempel, im Haus Gottes leben und dienen zu dürfen. Ich vermute, dass er sich davon ein besonders intensives und beständiges Gefühl von Gottes Nähe verspricht. Von der nämlich merkt er im Moment wenig oder nichts. Trotzdem verabschiedet er sich nicht vom Glauben, vom Vertrauen auf Gott. Er hält daran fest, indem er Gott in den Ohren liegt und ihn anfleht, ihm doch endlich Gehör zu schenken.

Kennen Sie das auch: Dass es Ihnen vorkommt, als hielte sich Gott die Ohren zu, als stießen Sie bei ihm auf taube Ohren?
Ich kenne Christ:innen, die behaupten, so dürfe man nicht von Gott denken. Gott habe schließlich immer ein offenes Ohr für uns Menschen. Von den Dichtern biblischer Klagepsalmen lerne ich etwas anderes. Sie sind manchmal am Rande der Verzweiflung, weil sie Gott als taub und stumm erleben. Und dennoch lassen sie sich die Hoffnung nicht rauben, bleiben beharrlich dabei, Gott in den Ohren zu liegen und ihn darum zu bitten, dass er sie seine Nähe wieder erfahren lässt.
Solche Beharrlichkeit sprengt die Grenzen, die durch belastende Situationen gesetzt werden. Sie weitet den Horizont für die Möglichkeiten Gottes zu Befreiung und neuer Lebendigkeit.

Lasst uns beten:       Ewiger und barmherziger Gott,
schenke uns Beharrlichkeit im Vertrauen auf dich.
Lass uns auch in den Zeiten an dir festhalten, in denen wir wenig oder nichts von dir spüren.
Danke für die vielen Möglichkeiten, Menschen in schwierigen Lebenssituationen nahe zu sein.
Schenke, dass diese Nähe zu Trost und Zuversicht beiträgt. Gib uns dazu deinen Hoffnung weckenden und lebendig machenden Geist. Amen.

Wochenspruch:        Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12,32)

Wochenpsalm:          Psalm 27,1.7-14

Wochenlied:              EG 128 – Heiliger Geist, du Tröster mein
oder
EG 136 – O komm, du Geist der Wahrheit                                                        

Download:                 ANgeDACHT 2026-21             

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen mit der hoffnungsvollen Beharrlichkeit Gott und Ihren Mitmenschen gegenüber.

Frank Eibisch
(Theologischer Leiter)