Auf mich hört doch keiner.
Manchmal hat man den Eindruck, dass nur noch die Lauten und Starken Gehör finden. Doch manchmal ist das Reden über den Glauben eher eine leise Angelegenheit. Kein großes Predigen, kein lautes Auftreten – ein schlichtes Wort zur richtigen Zeit. Jesus sagt: Wer euch hört, hört mich. Wenn wir also über unseren Glauben, über unsere Hoffnung sprechen, kann etwas von Gottes Stimme anklingen. Nicht, weil wir perfekt formulieren oder alles richtig machen. Sondern weil Gott sich entscheidet, durch Menschen zu wirken – durch ihre Echtheit, ihre Erfahrungen, ihre Träume. Das ist zugleich ein Geschenk und eine Verantwortung. Gott braucht Menschen, die den Mund aufmachen. Die den Mut haben schlechten Nachrichten ein hoffnungsvolles Aber entgegenzusetzen, die dem Miesepetrigen ein aufmunterndes Lächeln schenken.
Der zweite Teil des Verses: „Wer euch verachtet, der verachtet mich.“ klingt vielleicht erstmal hart. Für mich steckt darin eine Entlastung. Wir müssen nicht um jeden Preis überzeugen. Wir dürfen zuhören, reden, schweigen – und darauf vertrauen, dass Gott selbst wirkt. Unsere Aufgabe ist es nicht, Ergebnisse zu produzieren, sondern Gott zu vertrauen. Und vor allem ist dieser Teil des Bibelverses kein Freibrief zum Zücken einer überheblichen Moralkeule.
Vielmehr sind auch wir aufgefordert anderen zuzuhören. Vielleicht spricht uns ein Mensch an, der uns gar nicht „fromm“ erscheint, und bringt doch genau das Wort, das wir gerade brauchen. Wer hinhört, entdeckt Gottes Stimme öfter als gedacht.
Antoine de Saint-Exupéry lässt seinen kleinen Prinzen sagen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Ich denke, das gilt für das Hören vielleicht noch viel mehr.
So lädt uns der Wochenspruch ein, mit offenen Ohren und einem offenen Herzen zu leben – sprechend und hörend zugleich. Gott ist mitten unter uns.
Segen: Möge dein Mund davon erzählen, wovon dein Herz erfüllt ist.
Wochenspruch: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lukas 10,16a)
Wochenpsalm: Psalm 34
Wochenlied: EG 365 „Von Gott will ich nicht lassen“
Download: ANgeDACHT 2026-24
Es grüßt Sie herzlichst
Anette Schmidt
(Stabsstelle Diakonische Kultur)