Am Donnerstag dieser Woche werden wir daran erinnert, dass vor 55 Jahren die Berliner Mauer gebaut wurde. 13. August 1961 – auch wenn ich damals noch nicht auf der Welt war, hat sich dieses Datum tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Und auch wenn ich nicht im Umfeld von Berlin aufgewachsen bin, habe ich die Bilder noch immer sehr präsent: nicht nur das verschlossene Brandenburger Tor, sondern auch die S-Bahn-Strecke nach Pankow, auf der man ein Stück zwischen innerer und äußerer Mauer hindurchfuhr. Als „antifaschistischer Schutzwall“ wurde die Mauer verbrämt. Tatsächlich aber war sie ein unübersehbares Zeichen für die herrschsüchtige Hilflosigkeit der DDR-Diktatoren.

Nie hätte ich mir vorstellen können, dass dieses grässliche Bauwerk noch zu meinen Lebzeiten im Handumdrehen verschwinden würde.  Und bis heute ist ihr Abriss für mich ein Wunder, für das ich von Herzen dankbar bin.

Dafür, dass es so kommen konnte, brauchte es beherzte, mutige, freiheitsliebende Menschen. Es brauchte die Sehnsucht, aus der Gefangenschaft auszubrechen – gegen jeden Augenschein. Und es ist – dessen bin ich mir gewiss – Ausdruck der Freiheitsliebe Gottes. Mit Paulus teile ich die Überzeugung, dass Freiheit Einzug hält, wo der Geist Jesu Christi lebendig ist. (2. Korinther 3, 17)

Deshalb glaube ich fest daran, dass ich mit meinem Gott über Mauern springen kann – nicht nur in Gedanken, sondern in der Tat. Und ich vertraue darauf, dass Gott Freiheit schenken kann und wird – mir und aller Welt.

Lasst uns beten:       Ewiger und barmherziger Gott,
halte die Sehnsucht nach Freiheit in unseren Herzen wach. Stärke in uns die Gewissheit, dass du ein befreiender Gott bist. Schenke uns das Vertrauen darauf, dass du es                                                nicht auf Dauer duldest, wenn Menschen andere Menschen unterdrücken, ausgrenzen, einsperren.

Steh denen bei, die unter Unfreiheit leiden. Und schenke uns den Mut, für die Freiheit einzutreten und sie mit Leben zu erfüllen, wo immer es uns möglich ist.  Amen.

Wochenspruch:       Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! (Psalm 33,12)

Wochenpsalm:         Ps 122 (EG.E 103)

Wochenlied:              EG 290 – Nun danket Gott, erhebt und preiset
oder
EG 429 – Lobt und preist die herrlichen Taten

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen mit der befreienden Kraft des Gottesgeistes und bleibende Hoffnung darauf – für ihr eigenes Leben, für die Beziehungen, in denen Sie stehen und für die politischen Verhältnisse in unserem Land und weltweit.

Frank Eibisch
(Lafim-Diakonie, Theologischer Leiter)

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