Mitten im Sommer gibt der Wochenspruch ein ernstes Thema vor: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade (1. Petr 5,5b). Hochmut und Demut – beide Wörter verwenden wir nicht im Alltag. „Hochmut kommt vor dem Fall“ kennen wir als geflügeltes Wort. Die Demut steht nicht hoch im Kurs, denn mit ihr verbinden wir ein Sich-Kleinmachen.
Als ich in der Vorbereitung auf die Andacht im Kalender herumblätterte, da musste ich schmunzeln. 18. August, „Tag der Antibabypille“. Wer denkt sich sowas aus? Und vor allem: Nicht gerade ein klassisches Andachtsthema. Aber wir werden sehen. Was war das für eine Aufregung, damals. Die Pille kam 1960 auf den Markt und hat die Welt verändert. Plötzlich konnten Frauen selbst entscheiden, ob und wann sie Kinder bekommen wollten. Das war revolutionär – und für manche auch verstörend. Sie reagierten hochmütig: Zu viel Freiheit! Zu viel Selbstbestimmung! Heute kaum zu verstehen: Gott hat uns doch mit Verstand, Vernunft und Verantwortung ausgestattet! Die Pille hat ungewollte Schwangerschaften verhindert und damit auch viel Leid erspart. Sie war ein Stück medizinischer Fortschritt – und ja, auch ein Geschenk!
Manchmal vergessen wir in aller Kontrolle das Staunen über das Wunder des Lebens – sichtbar besonders an Männern, die erst beim Anblick der Geburt ihrer Kinder davon überwältigt werden. Da werden sie demütig. Aber Demut ist kein Grund, den Fortschritt zu verteufeln. Demut ist keine Unterwerfung, sondern Einsicht in die eigene Freiheit. Die Pille für den Mann hat übrigens im letzten Sommer Schlagzeilen gemacht. Schon gehört?
Wir beten: Guter Gott, du kennst unser Herz. Du weißt, wie leicht wir uns über andere erheben, wie schnell wir auf unsere Leistungen, unser Wissen und unsere Erfolge stolz werden.
Bewahre uns vor Hochmut und Selbstüberschätzung.
Gott, schenke uns die Demut, die nicht klein macht, sondern die eigene Stärke als dein Geschenk erkennt. Hilf uns, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen, ihnen
zuzuhören und von ihnen zu lernen.
Wir beten wir alle, die Verantwortung tragen in Kirche, Gesellschaft und Politik: Lass sie ihre Aufgaben mit Besonnenheit erfüllen und das Wohl der Menschen über den eigenen Vorteil stellen.
Lehre uns den Weg Jesu, der nicht herrschen, sondern dienen wollte, und der uns zeigt, dass wahre Größe in der Liebe und im Dienst am Nächsten liegt. Amen.
Wochenspruch: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petrus 5,5b)
Wochenpsalm: Ps 145,1–2.14.17–21 (EG.E 111)
Wochenlied: EG 299 – Aus tiefer Not schrei ich zu dir
oder
EG.E 12 – Meine engen Grenzen
Download: ANgeDACHT 2026-34
Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlichst
Diakon Olaf Eggert
(Stabsstelle Diakonische Kultur)