Ich gebe es offen und ehrlich zu: Ich liebe dieses Bibelwort! Für mich ist es eines der schönsten Trost- und Hoffnungsworte der Bibel.
Geknickt sind wir selbst oft hier und da. Zeiten der Erschöpfung, wo wir irgendwie auf Sparflamme leben, kennen wir alle. Und beinahe täglich begegnen wir im Alltag anderen Menschen, die geschwächt, geknickt oder kraftlos sind.
So wie neulich. Ich sitze im Café. Das Handy sinkt auf den Tisch. Puh, dieses Telefonat gerade war ganz schön Kräfte zehrend. Mit hängenden Schultern schlürfe ich meinen Eiskaffee. Ich hänge meinen Gedanken nach und gebe mich dem Geknicktsein so richtig hin.
Da betritt eine junge Frau die Terrasse des Cafés. Hängende Schultern auch bei ihr. Sie schlurft an mir vorbei zum Nachbartisch. Ihr Rucksack gleitet unsanft zu Boden. Mit einem lauten Seufzer sinkt sie auf dem Stuhl in sich zusammen. Traurig schlürft sie ihren Eiskaffee. Sie wirkt so, wie ich mich gerade fühle: total verloren.
Vom Geruch meiner glimmenden Zigarette angezogen, schaut sie mich plötzlich schüchtern an und fragt leise: „Hey, könnte ich mir vielleicht von dir eine schnorren? Ich hatte echt einen Scheißtag.“ Eigentlich will ich gerade nur noch meine Ruhe, denke ich erschöpft bei mir. Sage dann aber: „Na klar!“ und schiebe ihr wortlos die Schachtel über den Tisch. Sie hat gerade eine Prüfung vergeigt, meint sie. Und überhaupt läuft grad alles nicht so richtig. Neue Stadt, neues Studium… Und bei dir?
Da sitzen wir nun: zwei geknickte Rohre an einem Sommernachmittag im Juli. Mit glimmenden Dochten. Ist natürlich ungesund. Bitte nicht nachmachen!
Während wir immer mehr ins Plaudern kommen, merke ich, wie gut es uns beiden tut. Wie Freude und Zuversicht in uns zurückkehrt. Zwei Fremde, die sich für eine halbe Stunde ein offenes Ohr und ein offenes Herz schenken. Beseelt denke ich, dass wir uns einander genau jetzt auf den Weg gestellt wurden. Weil Gott das geknickte Rohr nicht zerbrechen wird. Wir sind einander begegnet und Gott war mit dabei. Denn die tröstende und heilende Erfahrung von Gottes Liebe begegnet uns oft auf leisen Sohlen und im Antlitz eines anderen Menschen.
Eine Umarmung zum Abschied. Im wahrsten Sinne aufgerichtet gehen wir unserer Wege. Ich schaue kurz hoch zum Himmel, muss lachen und sage: „Danke!“
Segen: Gott segne dein Unterwegssein durchs Leben
auf krummen und auf geraden Wegen.
Gott segne die Begegnungen am Wegrand,
die bewussten und die im Vorübergehen.
Gott segne dein Geben und dein Nehmen,
dein Sorgen und Handeln für dich und andere.
So segne dich Gott voller Liebe und Barmherzigkeit.
Amen.
(Christine Rudershausen)
Wochenspruch: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jesaja 42,3)
Wochenpsalm: Ps 147,1–6.11
Wochenlied: EG 289 – Nun lob, mein Seel, den Herren
oder
EG.E 20 – Wir haben Gottes Spuren festgestellt
Download: ANgeDACHT 2026-35
Ich wünsche Ihnen gute Begegnungen auf Ihrem Weg durch diese Woche.
Sabine Papies
(Stabsstelle Diakonische Kultur)