Vor einiger Zeit erzählte mir eine ältere Dame vom Tod ihres Ehemanns und ihrer Trauer. Vieles hatten sie in über 50 gemeinsamen Jahren erlebt. Flucht aus der DDR, das Aufbauen eines neuen Lebens in der Bundesrepublik. Das Aufwachsen der Kinder und schließlich der Enkelkinder. Tiefe Täler und hohe Berge des Glücks hatten sie immer gemeinsam durchschritten und erklommen. So auch die schwere Krankheit des Mannes im letzten Jahr. Sie wichen sich nicht von der Seite. In guten wie in schlechten Zeiten. So hatten sie es sich einmal versprochen. So haben sie es gehalten.

In den ersten Wochen, sagte sie mir, sei die Stille im Haus kaum auszuhalten gewesen. Immer wieder habe sie sich dabei ertappt, wie sie ihm etwas erzählen wollte. Die Leere schmerzte. Während sie mir das erzählte, musste ich an eine Szene aus dem Film „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ denken. Der Protagonist lebt mit seinen Großeltern und diese haben so ihre festen Rituale. Sie sitzen z.B. immer im gleichen Sessel. Als der Großvater stirbt, setzt sich die Großmutter in seinen Sessel. Ihre Antwort auf die Frage des Enkels, warum sie im Sessel ihres Mannes sitze, rührte mich zu Tränen: „Wenn ich hier sitze, sehe ich nicht, dass sein Sessel leer ist.“

Auch wenn wir als Christ:innen in der Hoffnung auf die Auferstehung leben, ist der Tod erst einmal ein harter Schlag. Da gibt es nichts schönzureden. Es tut weh! Sehr weh!

Die Dame sagte dann aber einen wundervollen Satz: „Ich weiß, dass mein Mann jetzt beim Vater geborgen ist.“ Dieser Gedanke nahm ihre Trauer nicht weg, aber er schenkte ihr Trost und gab ihr Mut und Kraft zum Weitergehen. Genau von diesem Trost spricht Paulus im Wochenspruch. Der Tod ist und bleibt eine schmerzhafte Wirklichkeit. Wir erleben Abschiede und Verluste in unserem Leben und die müssen wir erst einmal verknusen. Aber seit Ostern ist der Tod entmachtet. Der Tod beendet unser irdisches Leben, aber er beendet nicht die Gemeinschaft mit Gott. Das Evangelium eröffnet uns eine neue Perspektive. Wir müssen nicht so leben, als hinge alles an dem, was wir festhalten können. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gottes Liebe weiter reicht als unsere Grenzen. In Jesus Christus ist sichtbar geworden: Hinter dem Dunkel liegt Licht, hinter dem Ende ein neuer Anfang.

Vielleicht tragen auch wir heute Sorgen oder einen Verlust mit uns herum. Dann dürfen wir uns daran erinnern: Nicht die Finsternis bestimmt unsere Zukunft, sondern das Leben, das Gott schenkt. Und dieses Leben beginnt nicht erst irgendwann. Es leuchtet schon heute auf: wo wir hoffen, lieben, vergeben und darauf vertrauen, dass Gott uns hält.

So können wir unseren Weg gehen, manchmal zaghaft, manchmal mutig, aber immer begleitet von der Verheißung: Was auch kommt, wir sind in Gottes Hand und die lässt uns nicht los. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2.Tim 1,7)

Lasst uns beten:   Barmherziger Gott, du hast dem Tod die Macht genommen. Deine Liebe ist stärker als alles, was uns Angst macht.
Tröste die Trauernden, stärke die Mutlosen und schenke uns ein Herz, das auf dich vertraut. Lass dein Licht in
unserem Leben leuchten, damit wir hoffnungsvoll unseren Weg gehen können. Amen.

Wochenspruch:    Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht
durch das Evangelium. (2. Timotheus 1,10b)

Wochenpsalm:      Ps 68,4–7.20–21.35–36

Wochenlied:          EG 115 – Jesus lebt, mit ihm auch ich
oder
EG.E 16 – Gelobt sei deine Treu

Download:             ANgeDACHT 2026-39

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in diese Woche und grüße herzlich aus den Zentralen Diensten in Potsdam.

Diakonin Sabine Papies
(Stabsstelle Diakonische Kultur)