Anlässlich des diesjährigen Jahresempfangs der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erhielten am 26. Juni vier diakonische Projekte aus den 1.600 diakonischen Einrichtungen in den drei Bundesländern die Wichernplakette. In Anwesenheit von hochrangigen Vertreter:innen von Politik, Zivilgesellschaft und Kirche schafft dieser Preis Aufmerksamkeit für das Wesen der Diakonie: Neue Wege gehen in schwierigen Zeiten – aus Liebe zum Menschen.
Zu dem Projekt Ausbildungsstation im Seniorenzentrum Willi Kupas in Wittenberge
Im Evangelischen Seniorenzentrum Willi Kupas ist eine von fünf Stationen eine Ausbildungsstation. Derzeit läuft das vierte Ausbildungsjahr mit sieben Auszubildenden. Die dafür freigestellte Praxisanleiterin kann ihnen Zeit widmen, auf Interessen und Bedürfnisse eingehen. Diese in der Lafim-Diakonie einzigartiges Gebilde hat zu Erfolgen geführt: Zwei Praktikanten, die bei anderen Trägern ihre Ausbildung machten, sind zur Lafim-Diakonie gewechselt.
Claudia Thiede, stellvertretende Pflegedienstleitung: „Während meiner Ausbildung habe ich gemerkt, dass viele ganz falsche Bilder von der Pflege im Kopf haben. Das will ich verändern… Seit einigen Jahren ist die Ausbildung ja generalistisch, da wurde es noch wichtiger, Interesse für diesen Bereich zu wecken, der gesellschaftlich ja hochrelevant ist und bleibt. Ich wollte zeigen, wie bereichernd und vielfältig diese Arbeit ist.“
Birgit Reppert, freigestellte Praxisanleiterin: „Wir können sehr flexibel auf die Auszubildenden eingehen. Ich kann sie dort abholen, wo sie sind und ihnen Zeit widmen. Die einen wollen früh Verantwortung übernehmen, die anderen brauchen Einzelgespräche zu besonderen Themen wie z.B. Gerüchen oder Ansprache von Senioren.“
Michael Peter Gans, Standortleiter Wittenberge: „Investitionen in die Zukunft gehören zum Selbstverständnis der Lafim-Diakonie. Wie können wir eine umsorgende und gute, pflegefachliche Betreuung auch in Zukunft leisten, wenn wir die Ausbildung nicht als eine elementare Hauptaufgabe sehen und diese zur Chefsache machen? Wir im Willi Kupas Haus leisten einen kleinen Beitrag und möchten die positiven Facetten der Altenpflege sichtbar, erlebbar machen und zeigen, wie wichtig es ist, trotz aller Herausforderungen, sich für eine gute Pflege und Ausbildung stark zu machen.“
Schon jetzt fehlen 5.000 Pflegekräfte im Land Brandenburg, in fünf Jahren werden es nach seriösen Schätzungen schon 10.000 sein. Das Seniorenzentrum Willi Kupas in der Prignitz hat im Zuge der neuen, generalisierten Pflegeausbildung darauf reagiert und gezeigt, dass Innovation auch heißt, die Perspektive zu wechseln und die ganz konkreten Fragestellungen und Probleme vor Ort in den Blick nehmen. Mit einer freigestellten Praxisanleiterin, hochwertigen Ausbildungsinhalten und Wochen im Voraus stabil festgelegten Dienstplänen bildet die diakonische Einrichtung mittlerweile mehr Azubis aus, als sie selbst benötigt. Das Projekt wird ausgezeichnet für ein Ausbildungskonzept, das jungen Menschen im ländlichen Raum erfolgreich Perspektive und Orientierung bietet.

Ulrike Menzel, Michael Peter Gans, Andrea Asch (DWBO/Matthias Kindler)

Claudia Thiede, Michael Peter Gans, Birgit Reppert (DWBO/Matthias Kindler)

DWBO/Matthias Kindler

Von links nach rechts: Dr. Jörg Antoine, Dr. Ursula Schoen, Birgit Reppert, Matthias Welsch, Claudia Thiede, Michael Peter Gans, Eva-Maria Dressler

Auf der Ausbildungsstation