Ein Eis in der Stadt, ein Einkauf im Nachbardorf oder eine gemeinsame Fahrradtour – für die Bewohner der Wohnstätte auf dem Lindenhof der Lafim-Diakonie in Roskow, Ortsteil Lünow, sind solche Ausflüge dank zweier neuer barrierefreier Fahrräder wieder möglich.
Insgesamt profitieren 45 Menschen mit geistiger und körperlicher Beeinträchtigung von dem neuen Mobilitätsangebot. Damit sie aktiv und nachhaltiger unterwegs sein können, gibt es speziell angepasste Fahrräder, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Auf dem Lindenhof stehen seit Kurzem dafür ein Paralleltandem und ein Rollstuhlfahrrad zur Verfügung. Sie ermöglichen mehr Teilhabe außerhalb der Einrichtung, Bewegung an der frischen Luft und gemeinsame Aktivitäten.

Freuen sich über die neuen und außergewöhnlichen Vehikel (von links): Angelique Vetterle (Team-Koordinatorin), Bewohnerin Edeltraut Zimmer, Hausleitung Janina Kuhlmann, Gruppenbetreuer Patrick Schulz und Bewohner Uwe Richter.
Alltag auf zwei Rädern
Aufgrund der ländlichen, zugleich stadtnahen Lage sind die beiden Fahrräder ein großer Gewinn für die Einrichtung, sagt Janina Kuhlmann, Hausleitung der besonderen Wohnform auf dem Lindenhof.
„Nach rund 12 Kilometern ist man in Brandenburg an der Havel. Die Fahrräder erweitern die Mobilitäts- und Freizeitmöglichkeiten unserer Bewohner deutlich“, so Janina Kuhlmann. Die neuen Fahrräder haben sich schnell im Alltag etabliert.
Einkaufsfahrten zum Bäcker im Nachbardorf, Ausflüge zum Gut nach Mötzow zum Spargelessen oder Eisessen in der Stadt gehören inzwischen dazu. „Das war schön. Ich habe Schokoeis gehabt und Patrick Vanilleeis“, erzählt Uwe Richter, der im Rollstuhl sitzt.
Mehr Teilhabe durch angepasste Technik
Früher seien viele Bewohner des Lindenhofs regelmäßig in Begleitung Fahrrad gefahren. Mit zunehmenden körperlichen Einschränkungen sei das in den vergangenen Jahren jedoch immer schwieriger geworden, erklärt das Team.
„Durch die neuen Fahrräder haben wir ein zusätzliches Angebot, das bei den Bewohnern sehr gut ankommt“, sagt Gruppenleiter Patrick Schulz, der auch den Förderantrag für die Räder bei Aktion Mensch gestellt hat.
„Wir haben uns die Modelle gemeinsam im Team angeschaut und gezielt nach unserem Bedarf ausgewählt.“ Durch die Räder ist wieder ein Stück mehr Teilhabe möglich, ergänzt Alexander Weyhe, Geschäftsführer der Lafim-Diakonie Fliedners.

Bevor es zum Spargelhof Mötzow geht, wird eine Runde im Innenhof von Fliedners Wohnen auf dem Lindenhof in Roskow gedreht.
Komfort und Sicherheit beim Rollstuhlfahrrad
Über die Neuanschaffung freut sich auch Edeltraud Zimmer. Die Bewohnerin hat bereits erste kleinere Touren mit Unterstützung eines Betreuers unternommen. „Die lassen sich leicht treten und man ist danach nicht so erschöpft“, sagt sie.
Beim Rollstuhlfahrrad bleibt die Person während der Fahrt im eigenen Rollstuhl sitzen. Eine kippbare Auffahrrampe und eine Seilwinde ermöglichen ein kraftsparendes Aufladen und sicheres Fixieren des Rollstuhls. Ein Hüftgurt sorgt für zusätzliche Sicherheit. „Und natürlich gehört auch der Fahrradhelm dazu“, sagt Patrick Schulz.
Hinter der Person im Rollstuhl sitzt der begleitende Fahrer und tritt in die Pedale. Eine stabile Fixierung sowie gefederte, mitlenkende Vorderräder sorgen für ein ruhiges Fahrverhalten.
Reichweite für spontane Touren
Die Handhabung der neuen Fahrräder sei alltagstauglich, sagt Janina Kuhlmann. „Die Räder sind stabil, übersichtlich aufgebaut und für den regelmäßigen Einsatz geeignet.“ Körbe bieten Platz für Einkäufe oder Gepäck. Zum Paralleltandem gehört außerdem ein Anhänger, der Platz für bis zu acht Wasserkästen bietet.
Eine elektrische Tretunterstützung erleichtert längere Strecken und Steigungen. Der Akku des Tandems reicht für etwa 80 Kilometer, der des Rollstuhlfahrrads für rund 60 Kilometer. Für beide Fahrzeuge stehen zusätzliche Reserveakkus zur Verfügung.

Die beiden, auf die Bewohner des Lindenhofs zugeschnittene elektrischen Lastenräder wurden zu 100 Prozent von Aktion Mensch finanziert. Beide speziellen Vehikel kosten zusammen knapp 40.000 Euro.
Nebeneinander fahren und ins Gespräch kommen: Neue Pläne für den Sommer
Das Paralleltandem ermöglicht es zwei Personen, nebeneinander zu sitzen und sich während der Fahrt auszutauschen. Zusätzlich kann ein Anhänger mit zwei weiteren Sitzplätzen und Tretvorrichtung angekoppelt werden.
„So können bis zu vier Personen gemeinsam unterwegs sein“, sagt Janina Kuhlmann.
Mit dem Frühling beginnt die Fahrradsaison. Geplant sind zwei bis drei Ausfahrten im Monat, berichtet Gruppenleiter Patrick Schulz. Mit den neuen Fahrrädern sind künftig auch längere Strecken geplant, etwa Fahrten auf dem Havelradweg oder Ausflüge in die Brandenburger Innenstadt.
„Ein großer Vorteil ist, dass die Bewohner nicht mehr auf Fahrdienste angewiesen sind und deutlich unabhängiger und nachhaltiger unterwegs sein können“, so Patrik Schulz.
Die Anschaffung der Fahrräder wurde durch die Aktion Mensch finanziert. Rund 40.000 Euro kosteten die beiden Spezialfahrräder inklusive Anhänger, Fahrradhelme, Sicherheitsschlösser und Zubehör.