Simeon war dabei. Er saß da, versunken in seine Gedanken und ins Gebet, als die kleine Familie den Tempel betrat. Er kannte sie nicht, das junge Paar mit dem Säugling, wenige Tage alt. Aber ein starkes Gefühl, eine Ahnung ergriff ihn, dass das eine ganz besondere Begegnung ist. Erst wusste er gar nicht warum. Hatte es mit seinem in Gedanken gestammelten Gebet zu tun? Der Unfrieden und die Ungerechtigkeit machten ihm zu schaffen. Wie nur sollte es weitergehen mit der Welt? In welcher Welt würden seine Enkel leben? Er war verzweifelt über das Unheil, das ihn umgab, trostlos.
Jetzt war etwas anders geworden. Die Trostlosigkeit in seinem Herzen war einer tiefen Freude gewichen. Lag es an diesem kleinen Kind, sollte es wirklich etwas verändert haben, nicht nur in seinem Herzen, sondern für die ganze Welt? Sollte das möglich sein, das doch noch alles anders werden könnte, dass Heilung, ja das umfassendes Heil möglich ist und Friede um sich greift. Unvorstellbar, eigentlich. Und doch, etwas war geschehen, als die Familie mit dem Kind den Tempel betreten hatte. Er hatte es gesehen in diesem Kind, den Retter, den Heiland, den Friedefürsten dieser Welt. Er war gekommen. Jetzt war alles anders, obwohl die Welt noch die Gleiche zu sein schien.
Aber plötzlich war etwas möglich geworden. Trost und Heil waren wieder denkbar, Frieden und Gerechtigkeit nicht nur eine ferne Hoffnung. Simeons Herz hatte sich mit Zuversicht gefüllt und mit umfassender Freude. Er, der Messias, der Retter, der Heiland, er machte der großen Unterschied und ja, er war da, er ist da und ER verlässt uns nicht mehr.
Simeon hatte es mit eigenen Augen gesehen und strahlend hat er es weitergesagt. So und nur so, mit dieser Zuversicht im Herzen verändert sich etwas zwischen den Menschen, ändert sich die ganze Welt. Simeon hatte es gesehen und sein Sehen will uns bis heute trösten gerade in dieser beginnenden Adventszeit. Amen.
Ich grüße Sie herzlich.
Ihr Pfarrer Matthias Welsch