Streng klingt dieser Monatsspruch. Für mich nach mühseligen Zeiten, in denen sich Menschen nach stabilen Strukturen sehnen und den Wunsch nach verlässlichen Worten haben. Und am besten Worte, die von Gott persönlich in die Feder diktiert sind und für immer und ewig dasselbe bedeuten, wie es in der Lutherübersetzung steht: „Alle Worte, von Gott gegeben“. Um ehrlich zu sein: Ich glaube an keine von Gott eingegebene Schrift, die ewig dasselbe bedeuten und keinerlei Veränderungen erlauben würde. Gott lässt sich nicht mit Worten einfangen oder gar einzementieren. Wir haben ihn nicht in der Hand. Jedes von Menschen aufgeschriebene Wort ist in die Zeit geschrieben, nicht in die Ewigkeit. Darum muss ich immer wieder neu danach fragen, was es für heute bedeutet. Wie aber lässt sich dann erkennen und prüfen, was von Gott kommen könnte und was nicht? Der Bibelvers macht einen Vorschlag: Was vom Himmel kommt, ist nütze zur Lehre, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Und es zeigt uns eine Richtung: Es geht nicht um Festschreibung, sondern um Entwicklung. Was vom Himmel kommt ist konstruktiv, nicht desstruktiv. Besser und gerechter sollen wir werden, damit das Leben auf der Erde besser und gerechter wird.
Wir wissen heute nicht mehr genau, wie die Verhältnisse in den Gemeinden waren, für die Timotheus seine Briefe schrieb. Wir dürfen aber annehmen, dass die Gegebenheiten dort nicht so angenehm waren. Es kam zu Spott: Ihr glaubt an einen, der erbärmlich am Kreuz starb – und wieder auferstanden ist? Wie sollen einfache Leute das anderen erklären können?
Ich schätze die Bibel sehr, weil sie ein so lebendiges Buch ist. Bis heute lesen und hören Menschen ihre Worte immer neu. Wieder und wieder erscheinen die Worte in einem anderen Licht. Und doch enthalten sie eine verändernde Wucht. So schreibt er, den wir Gott nennen, sich in unsere Geschichten ein. Und so schreibt er seine Geschichte mit uns, gestern, heute und morgen. Immer wieder neu.
Herzliche Grüße, Ihr Diakon Olaf Eggert
Lafim-Diakonie, Dienste zur Teilhabe