In der dunkelsten Jahreszeit, wenn es morgens noch dunkel ist, wenn wir aus dem Hause gehen und abends schon sehr früh dunkel wird, kommt diese Aufforderung des Jesajabuches zu uns. Sozusagen als Licht in der Dunkelheit. Das sprachliche Spiel mit dem Licht in diesem Text will natürlich übertragen werden. Übertragen in unser eigenes persönliches Innenleben, genauso wie in unser Miteinander.
Damit wir spüren und merken, dass es licht wird in uns oder zwischen uns, werden wir erst die Dunkelheiten wahrnehmen müssen. Und schmerzlich merken wir, die gibt es. Da mag die Trauer im Herzen sein, weil ein geliebter Mensch verstorben ist. Da ist es dunkel in uns, weil wir einsam sind oder krank sind. Wer Dunkelheit im Herzen spürt, dem fällt es sehr schwer an das wiederkehrende Licht zu glauben.
Aber auch im menschlichen Miteinander spüren wir Dunkelheit. Das kann ein Streit sein, ein Gesprächsabbruch. Dunkelheit gibt es auf allen Ebenen des Zusammenlebens und am schlimmsten wird sie da, wo sie in Mord und Totschlag oder im Krieg endet. Dunkel ist es immer wieder in unserer Welt, nicht nur weil die Tage im Winter kürzer sind.
Jetzt zu Beginn des Advents hören wir diesen kräftigen Ausruf: Mache dich auf!
Das muss laut gerufen werden, der Satz weckt aus der Dunkelheit, er durchbricht unsere Trägheit, denn Dunkelheit macht träge und müde. Es liegt an uns, lassen wir uns zur Aktivität anregen, machen wir uns auf, dann ist es wohl möglich der Aufforderung zu folgen und licht zu werden. Erst nach dem wir aktiviert werden, können wir das Licht auch als Geschenk wahrnehmen. „Dein Licht kommt“, also wir werden licht, weil das Licht zu uns kommen will. Wir werden sozusagen angestrahlt, damit wir selbst leuchten können. Aber es braucht zunächst den eigenen Impuls, damit wir aus der Dunkelheit treten können und uns anstrahlen lassen. Anstrahlen von der Herrlichkeit des Herrn.
Was als persönlicher Zuspruch in diesem Satz klingt, ist gleichzeitig eine Verheißung, die sich gar nicht auf eine Einzelperson bezieht, sondern auf Jerusalem, die Stadt der Städte, die Stadt Gottes. Ein Zuspruch, der sich bezieht auf das Volk Israel, dass damit aber zum Licht für alle Völker werden soll. Es ist ein Licht, dass Frieden bringt zwischen alle Völker, dass den Glanz Gottes nicht für sich behält, sondern auf alle verteilt. Alle werden kommen in dieses Licht, alle werden sich aufmachen und gemeinsam und nur gemeinsam werden wir Licht sein. Was für eine Verheißung gerade in der Dunkelheit der heutigen Auseinandersetzungen in und um Israel.
Es ist eine adventliche Hoffnung, die der Prophet da ausspricht. Wir können nicht allein leuchten, sondern nur mit Gottes Hilfe. Aber wir müssen uns aufmachen, ohne unsere Bereitschaft geht es nicht, insofern liegt es auch an uns Menschen, dass es endlich hell wird auf Erden und wir in Gottes Licht erstrahlen. Das ist unsere Hoffnung, davon wollen wir reden im Advent und möglichst viele anregen, sich mit uns aus der Dunkelheit aufzumachen.
Ich grüße Sie herzlich zur Adventszeit
Ihr
Pfarrer Matthias Welsch