2025/04

Ich bin nicht sicher, ob ich das sofort merken würde, wer da eigentlich mit mir redet. Ich stelle mir vor, jemand, den ich nicht kenne spricht mich an, im Supermarkt, auf dem Weg durch die Stadt oder anderswo. Die erste Frage wäre ja, würde ich mich überhaupt auf ein Gespräch einlassen oder es als aufdringlich empfinden, wenn mich jemand Fremdes anspricht.
Aber gehe ich mal davon aus, dass ich guter Laune bin und offen für ein Gespräch. Schnell kommen wir zu wichtigen Themen, auch zu dem, was traurig macht, dem was mich unbedingt angeht, den existentiellen Themen. Wie ist es dem Gesprächspartner nur gelungen, so schnell zu den wesentlichen Themen in meinem Leben zu kommen und wie hat er mein Vertrauen gewonnen, darüber so offen und freimütig zu sprechen? Kaum zu glauben. Was war das nur für ein Mensch, dem das gelingt. Man begegnet nur selten solchen Menschen, vielleicht aber auch, weil man nur selten offen ist, solche Gespräche zu führen und Fremden diese Gelegenheit zu geben.
Damals ist es auch geschehen, nach dem Ereignis am Kreuz. Zwei Jünger laufen zu Fuß nach Emmaus und sprechen über ihre Trauer. Ein dritter kommt hinzu, der sehr schnell durch sein nicht vorbelastetes Fragen das Vertrauen der beiden gewinnt. Er geht mit ihnen und wird schließlich zum Essen am Abend in Emmaus eingeladen.
Der Fremde bricht das Brot und teilt den Wein, wie es damals bei Mahlzeiten üblich war und irgendwann war er weg. Erst in diesem Moment setzt das Nachdenken der beiden ein, erst da werden ihnen die Augen geöffnet und sie sind sich sicher, es kann nur einer gewesen sein, der Herr selbst, der auferstandene Gekreuzigte, er begegnete ihnen als Fremder und sie haben ihn nicht erkannt, erst nachdem er weg war. Obwohl sie solange mit ihm unterwegs waren, erkennen sie ihn erst danach.
„Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?“ Das ist die Frage, mit der die Erkenntnis der Emmausjünger beginnt, erst im Nachhinein, aber dennoch wird die Begegnung zum Anstoß für den Glauben an Christus.
Würde ich ihn erkennen? Wahrscheinlich erst einmal genauso wenig wie die beiden Jünger ihn erkannten, obwohl sie doch schon so lange mit ihm unterwegs waren.
Und dennoch Gespräche, die mich zutiefst bewegt haben, in denen mein Herz brannte, die hat es in meinem Leben schon gegeben. Vielleicht hat er da auch schon mit mir geredet oder mit Dir? Wir haben es nur nicht bemerkt. Aber hinterher können wir es entdecken und dieses Erkennen verändert etwas im Leben. Er hat anders mit uns geredet als andere Menschen, er hat uns in unserem Herzen, in unserer Existenz berührt, das macht seine Rede aus. Ich bin gewiss, er kann durch jeden Menschen zu uns sprechen und wir erkennen es vielleicht hinterher.

Achten Sie mal darauf oder erinnern Sie sich. In diesem Monat, in dem wir Ostern feiern und vielleicht genauso traurig sind wie die Jünger in der Karwoche oder dann auch voller Osterfreude, die unser Herz brennend erfüllen will.

Ich grüße Sie herzlich zum Osterfest 2025
Ihr Pfarrer Matthias Welsch