Klingt schön, aber mal ehrlich, geht das? Ist das sinnvoll?
Nur mal in Bezug auf unseren Arbeitsplatz. Sich nicht sorgen, wäre das gut für die Menschen, die wir betreuen. Unsere Arbeit ist doch gerade Sorgearbeit.
Oder zu Hause in der Familie, da sagen wir heute gerne auf Englisch, das sei Care-Arbeit, also Sorgearbeit. Ein Unternehmen zu leiten, ohne sich zu sorgen, oh je, das wäre eine Pflichtverletzung. Und schließlich hängen doch auch Sorge und Fürsorge zusammen und fürsorglich sein ist etwas sehr Positives.
So kann der Philipperbrief das „Sorgt euch um nichts“ nicht wirklich gemeint haben. Wenn man in den Kontext des Textes schaut, wird die Bedeutung klarer: Da steht eine Aufforderung „freuet euch“ und „eure Güte lass kund sein“.
Es geht also vielmehr darum, sich von den eigenen Sorgen nicht erdrücken und lähmen zu lassen. Es geht darum zu wissen, dass wir bei Gott aufgehoben sind und er die Quelle aller Freude und aller Güte ist. Und schließlich das sein Segen uns gilt: „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus.“, so steht der sogenannte Kanzelsegen am Ende des Textes.
Unsere Sorge wird also zur Fürsorge, wenn wir uns nicht durch sie erdrücken lassen, sondern unsere Care-Arbeit, unsere Sorgearbeit, in der Zuversicht leisten, dass sie von Gottes Güte angeregt und getragen wird.
Manchmal müssen wir vielleicht auch zur Freude erst aufgefordert werden, wie es der Philipperbrief macht, damit wir uns erinnern, dass das Leben und das Dasein und die Mitmenschen ein großes Geschenk der Güte Gottes ist.
Die erdrückende Sorge dürfen wir dann im Gebet abwerfen, in jeder Lage ist Gott für uns da und hört unser Beten und Flehen und unser Bitten. Dankbar dürfen wir die Aufforderung zur Freude hören und erhalten die Kraft füreinander fürsorglich zu sein, zu bleiben oder zu werden.
Darin steckt dann auch eine große Verheißung.
Ich grüße Sie herzlich
Ihr Pfarrer Matthias Welsch