Endlich! Der graue November liegt hinter uns. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich mag den November nicht besonders. Trübe Tage, meist noch nass und kalt. Auch die Gedanken und Gefühle, mit denen wir uns im November befassen, sind nicht gerade mit Freudestrahlen verbunden. Ein Monat der Trauer und der Rückschau liegt nun hinter uns und wir beginnen das neue Kirchenjahr. Und auch das kommt nur langsam und auf leisen Sohlen. Mit jedem Sonntag eine Kerze mehr, die sich die Bahn durch die Dunkelheit bricht. Heute scheint mir der November manchmal zäh und lang. Als Kind aber flog der November nur so dahin und der herrliche Advent schien sich zu ziehen wie Kaugummi. „Wann ist denn nun endlich Weihnachten?“, fragten wir wohl täglich und voller Ungeduld. So wie dereinst die Knaben im Rauhen Haus bei Johann Hinrich Wichern in Hamburg. Da kommt er her: der Adventskranz, der uns jeden Tag ein wenig mehr Licht ins Haus und die Herzen bringt. Licht in dunkler Zeit.
Wenn wir in der dunklen Jahreszeit spazieren gehen, können wir oftmals wahnsinnig schöne Wolkengebilde am Himmel beobachten. Dann, wenn mal keine großen Tropfen aus den Wolken fallen. Sie haben es alle bestimmt schon oft gesehen. Licht, das plötzlich durch graue Wolken bricht und den trüben Himmel in helles Licht und faszinierende Schattenspiele verwandelt. Gelb, Blau, Rosa, Lila – alles dabei und mitten im Grau. Da leuchten so richtige Hoffnungsschimmer am Himmel auf. Da weiß ich, das Grau ist nicht das Ende. Das Grau bleibt nicht auf ewig. Und noch etwas wird mir dann immer wieder bewusst: Es braucht auch dieses Grau. Und zwar genau zu dieser Zeit. Erst durch den mitunter unbequemen Weg durch das Grau der Trauer, Buße und Umkehr, kann das Licht des Advents und schließlich Weihnachten einziehen. Kann Licht den dunklen Stall in Bethlehem erfüllen, damit es von dort in die Welt ausstrahlen kann. Dann, wenn uns der Heiland geboren wird.
Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.
Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit und mit unsrer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft. Erbarm dich, Herr. (EG 262, 1+6)
Sabine Papies
(Mitarbeiterin Stabsstelle Unternehmensentwicklung und Diakonische Kultur)