2026/03

Wann kamen Ihnen das letzte Mal die Tränen? Vor wenigen Minuten, vor ein paar Tagen oder Wochen? Bei mir war es gestern. Aber keine Panik, ich war „nur“ im Kino. Der Film war als Komödie angekündigt. Vor Lachen kamen mir die Tränen trotzdem nicht. Es war eine Landschaftsszene. So schön, dass ich ergriffen wurde. Zum Heulen schön eben. Das hat mich überwältigt. Überwältigung ist das, was alle Weinenden eint. Ganz gleich aus welchem Grund die Tränen sie übermannen. Glücks- und Trauertränen sind Ausdruck emotionaler Überwältigung. Auch Jesus wird von seinen Gefühlen überwältigt und weint. In der Lutherübersetzung heißt es etwas poetischer: Jesus gingen die Augen über. Die Basisbibel übersetzt kraftvoll: Da brach Jesus in Tränen aus. In jedem Fall ist Jesus tief erschüttert, denn er weint um seinen Freund Lazarus. Kam er noch recht gefasst in das Dorf Bethanien, brechen die Emotionen aus ihm heraus, als er seinen verstorbenen Freund auf dem Totenbett sieht.

Dreimal wird in der Bibel vom Weinen Jesu erzählt. Jesus weint ein erstes Mal um seinen verstorbenen Freund Lazarus. Ach, wie menschlich! Ein zweites Mal weint er bei seinem Einzug in Jerusalem (Lukas 19,41). Er weint um die Stadt, weil er bereits um ihre kommende Zerstörung weiß. In seinen Tränen liegt die Trauer über die verpasste Chance auf Frieden in Jerusalem. Ach, wie menschlich! Und schließlich weint Jesus wenige Tage danach ein drittes Mal. Da betet, bittet und fleht er unter Tränen im Garten Gethsemane (Hebräer 5,7). Er wurde verraten und hat seinen qualvollen Tod am Kreuz direkt vor Augen. Und auch, wenn er um seinen göttlichen „Auftrag“ weiß, hat er, der Mensch Jesus, Angst. Große Angst und es packt ihn die Verzweiflung. Ach, wie menschlich! So weint der Mensch Jesus aus dreierlei Grund. Er weint um seinen Nächsten, er weint über die Welt und ja, er weint auch um sich selbst. Damit zeigt er uns, dass all das zutiefst menschlich ist. Denn auch wir weinen aus Mitgefühl mit unserer Nächsten, aus Sorge über die himmelschreienden Zustände in der Welt und manchmal eben auch um uns selbst. Und all das ist in Ordnung so. Wir dürfen auch mit uns selbst Mitgefühl haben. Wir dürfen diese urmenschliche Regung der Ergriffenheit nach außen tragen und uns zeigen mit Tränennassem Gesicht. Denn wir sind damit nicht allein.

Gott weint mit uns mit. In Angst, Leid und vermeintlicher Hoffnungs- und Ausweglosigkeit ist da einer, der uns sieht, der uns hält und an unserer Seite bleibt. Komme, was da wolle. Gott hält das Taschentuch für uns parat.

Sabine Papies
(Stabsstelle Diakonische Kultur)