2026/10

Freiheit ist ein großes Wort. Wir wollen frei entscheiden, frei sprechen, frei leben. Gerade nach den jüngsten Landtagswahlen wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen Freiheit, gesellschaftliche Verantwortung und die Zukunft unseres Zusammenlebens verstehen. Demokratie lebt davon, dass wir wählen, widersprechen und miteinander streiten können. Doch Freiheit bedeutet mehr, als die eigene Meinung durchzusetzen.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, schreibt Paulus. Er meint damit zunächst die Freiheit von dem Versuch, sich Gottes Anerkennung verdienen zu müssen. Gottes Gnade ist Geschenk. Wer darauf vertrauen kann, muss nicht ständig um sich selbst kreisen. Er wird frei für andere. Deshalb schreibt Paulus wenig später: „Dient einander in Liebe!“ (Gal 5,13).
Vielleicht ist diese Verbindung von Freiheit und Verantwortung heute besonders wichtig. In politischen Debatten erleben wir, wie schnell im Andersdenkenden nur noch ein Gegner gesehen wird. Auf unsere Gegenwart übertragen kann christliche Freiheit heißen, standfest zu bleiben, ohne sich von Angst, Wut und Feindbildern bestimmen zu lassen. Zu widersprechen, ohne die Würde des anderen zu vergessen.

Auch die Klimakrise stellt unsere Vorstellung von Freiheit auf die Probe. Bedeutet Freiheit, jederzeit alles tun und verbrauchen zu können, was möglich ist? Oder zeigt sich Freiheit auch darin, Gewohnheiten zu verändern und auf manches zu verzichten, damit andere und kommende Generationen ebenfalls Freiheit erfahren können?
Vielleicht müssen wir neu entdecken: Freiheit und Begrenzung sind keine Gegensätze. Wer aus Liebe Rücksicht nimmt, verliert nicht seine Freiheit. Er gebraucht sie. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ Das ist keine Einladung zum Rückzug aus der Welt. Es ist eine Ermutigung, Verantwortung zu übernehmen: für unsere Demokratie, für unsere Mitmenschen, für Gottes Schöpfung.

Und „Steht nun fest“ könnte für uns heute heißen: Lasst euch nicht von Angst, Hass oder Gleichgültigkeit beherrschen. Bleibt frei – frei zum Glauben, frei zur Liebe in ihrer ganzen Vielfalt, frei zur Verantwortung für unsere Lebensgrundlagen.

Christian Schehle
(Leiter der Stabsstelle Klimaschutz und Nachhaltigkeit)